Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 452
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DIE ANTIKEN KUNSTWERKE

mit frühen Reproductionen eines zwar uralten aber
durch die Übung gefestigten Typus zu thun. Benndorf
tu Sehmmf S. 63) macht einmal sehr treffend darauf auf-
merksam^ wie aus demselben Grunde in der erwähnten Per-
seusmetope die Gorgonenmaske eigenartig vor allem Übrigen
heraustritt;, wie die Umrisse mit Präcision geführt, die De-
tails ausführlicher behandelt seien, und schliesst daraus auf
<( direkte Übertragung einer besonderen Vorlage von anderer
Hand )). Aehnlich verhält es sich mit unsern Reliefs. Auf das
in ihnen constant wiederkehrende, typische Element ist
bereits hingewiesen worden. Alle Abkürzungen, Zusätze und
Veränderungen, sachliche wie stilistische, erscheinen nicht
auffallender, als wir sie in einer Serie von Münzbildern zu
sehen gewohnt sind, die auf ein bestimmtes Original zurück-
gehen. Wenn es daher erlaubt, ja fast geboten erscheint,
nach dem Urhilde unserer Reliefs zu fragen, so ist es zunächst
klar, dass diesem die ältesten Darstellungen auf A und B am
nächsten kommen müssen. Ich wage darauf hin eine Vermu-
thung auszusprechen, welche zugleich die eigenthümliche Art
dieser ganzen Technik vielleicht zu erklären angethan ist und
mit dem, was wir von ältester lakonischer Kunst aus litera-
rischer Überlieferung wissen, durchaus nicht im Widerspruch
steht. Es lässt sich kein Material denken, welches die Aus-
bildung eines Stiles, wie ihn die in Rede stehenden Werke
aufweisen, in höherem Grade begünstigen würde, als das
Holz. Die starre Geradlinigkeit der Contouren, das Harte,
Eckige in den Biegungen, die brettartig ebenen Flächen, die
eingekerbten Falten widerstreben im Grunde ebenso sehr dem
Marmor wie der Bronzetechnik. Sollten all'diese Erscheinun-
gen bloss auf einer willkürlichen Eigenart des in Sparta ein-
heimischen Reliefstiles beruhen? Eine bestätigende Analogie
lässt sich gerade für Sparta zunächst in der unzweifelhaft als
stehendes Xoanon gedachten /säulenartig gebildeten
Frauengestalt nachweisen, die uns mehrfach auf archaisiren-
den und entwickelten Reliefs einzeln oder zwischen die Dio-
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