Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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AUS SPARTA UND UMGEBUNG 457
sogar genestelte Halbärmel bat). Die Gewänder nnn legen
sich straff um die Körperformen herum, so dass sie daran zu
haften scheinen L Selbst die Scheidung der Beine ist nicht
vernachlässigt und durch eingeschnittene Linien wird die
Function des Stoffes wenigstens angedeutet. Auch der Saum
oder Zipfel des Gewandes, wo es sich etwa vom Körper los-
löst, ist jedesmal gewissenhaft ausgedrückt. Nun findet sich
eine ganz analoge straffe Einhüllung noch zum Theil auf be-
sonders alten schwarzfigurigen Vasenbildern wieder. Als
Muster kann für die sitzenden Figuren die von Robert pub-
licirte, auf den Mythus des Amphiaraos und des Pelias
bezügliche cäretaner Vase gelten X tav. IV. V
2ter Streifen links, wo sogar der eigenthümliche Abschluss
der Thronlehne auf Relief A und X3 wiederkehrt). Mit den
stehenden Figuren vergleichen wir 2 Bilder der Athena, die,
mit schlangenstarrender Aegis umgeben, den Kämpfen ihrer
Helden beiwohnt 1, 51. Dc-scr. PI. 8).
Offenbar aber ist hier die Göttin i d o 1 a r t i g aufgefasst und
zeigt somit den beabsichtigten Ausdruck höherer Alterthüm-
lichkeit, als es der künstlerische Standpunkt des Vasenmalers
bedingte. Von Neuem wird uns somit die Annahme einer
Verwandtschaft unserer Reliefs mit Werken der Schnitzkunst
nahegelegt, ja wir werden durch den Vergleich mit der Pe-
liasvase geradezu auf denKypseloskasten verwiesen,
dessen Technik uns die ältesten spartanischen Reliefs in viel-
leicht noch unmittelbarerer Weise zur Anschauung bringen,
als es die Vasenbilder vermöchten (vgl. Robert A?m. TnsiU
1874 S. 98 ff.). Nach diesen und den vorhergehenden Erwä-
gungen werden wir für den ältesten Typus unserer Reliefs
spätestens die erste Hälfte des 6 ten Jahrhunderts und zwar
eher den Anfang als das Ende derselben als ungefähre Zeit-
bestimmung betrachten müssen. Das letzte Relief (c) dürfen
wir mit dem ersten Herausgeber (Conze) etwa der ersten

* Verwandter Art ist das Bitdungsprinzip, welchem wir an bekleideten Fi-
guren ägyptischer Reliefs zu begegnen gewohnt sind.
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