Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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DIE ANTIKEN KUNSTWERKE

Hälfte des 5 ten Jahrhunderts zuschreiben (vgl. .4/m. cM'7/zsL
1870 S. 279).
Die Frage nach Bestimmung und Inhalt der spartanischen
Reliefs, welche uns hiervorzugsweise beschäftigen, führt uns
in — ich hoffe nicht selbstgeschaffene — Schwierigkeiten
ganz eigentümlicher Art. Die Voraussetzung, dass sich hier
die Interpretation auf sicherem Boden bewegen müsse, er-
schien um so berechtigter, als wir uns einem für jene ent-
fernte Epoche überraschend reichhaltigen Material gegenüber
beßnden, einem im Herzen Griechenlands festgewurzelten
Cultus, ausgestattet mit einer Fülle wohlbekannter Attribute
weiche das Verständniss gleichsam herausfordern.
Aber gerade diese auffallende Anzahl gleichartiger Darstel-
lungen führt uns darauf, dass es mit diesen Reliefs eine eigne
Bewandniss haben muss. Denn es liegt doch auf der Hand
und wird bereits durch die über einen weiten Umkreis von
Sparta weisenden Fundnotizen der uns zufällig erhaltenen
Monumente hinreichend erwiesen, dass wir es nicht mit einer
local-isolirten Verehrung eines Götterpaars zu thun haben,
die neben und unter anderen vegetirt hätte, sondern mit
einer religiösen Idee, welche zu gewisser Zeit, unter gewissen
Verhältnissen eine im religiösen Leben der lakonischen Be-
völkerung dominirende Rolle gespielt haben muss.
Wenn somit die Annahme eines einzelnen Heiligthums,
dem unsere Reliefs als Anatheme zugehört haben könnten,
nicht stichhaltig ist, so gestattet es ebensowenig ihre tek-
tonische Form, ihnen eine decorative Bestimmung in-
nerhalb eines grösseren Ganzen zu vindiciren, vielmehr be-
weist der am unteren Rande derselben theils erhaltene theils
vorauszusetzende * roh gelassene Marmoransatz, dass dieselben
bestimmt waren, unmittelbar in den Erdboden einge-
lassen zu werden.

* Wo dieser Ansatz fehlt, ist immer ein schmales unteres Stück des Reliefs
mit abgebrochen (s. B D und E (?)), ein Bruch, der sich ohne eine solche
unbearbeitete Fortsetzung schwer erkiären würde.
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