Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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DIE ANTIKEN KUNSTWERKE

Reliefs constant vereinigt finden : Granatfrucht und Blütlie;
das Ei und der Hahn. Wie auch immerhin die einzelnen
Gottheiten zu deuten sein mögen, in denen der Begriff der
im Menschenleben wirkenden Kräfte bereits eine Zerlegung
erfahren hat, — uns genügt es hier, auf nicht unverwandtem
Boden die Grundidee wiederzufinden, welche uns auf den
spartanischen Reliefs noch in concentrirter dualistischer Form
entgegentritt *.
Somit glauben wir, dass unsere Reliefs Anatheme eines
privaten, aus dem Familienleben entsprungenen Cultus seien^
der mit Beziehung auf die Verstorbenen an ihren Gräbern
gepflegt wurde. Zu den bisher angeführten äusseren Gründen,
welche an Form und Verbreitung dieser Denkmäler und an
analoge Erscheinungen auf dem Gebiet der sepulcralen Mo-
numente anknüpften, gesellt sich noch die wichtige Fund-
notiz über das einzige Relief, welches seinen ursprünglichen
Aufstellungsort wohl nie verändert hat 2.

i Zu den zahlreichen Berührungspunkten der eben verglichenen Monumente
gesellt sic!) noch ein anderer mehr äusserlichet* Natur, der aber nicht unbe-
achtet zu bleiben verdient. Die Schnabelschuhe der thronenden Frau unserer
Reliefs finden sich bei mehreren Hauptfiguren des Harpyienmonumentes wieder.
Diese Fussbeklcidung, heut im ganzen Orient üblich , ist keineswegs griechisch.
Nur ganz vereinzelt sehen wir eine Frau mit Schnabelschuhen ausgestattet in
einem Vasenbitd mit rothen Figuren, Hevdemann, Vasensammk d. Mus. Borb,
Racc. Cum. 138. Alle anderen Vasen gehoeren locaier, etruskischer Fabrica-
tionanodersteHenBarbarendarz.B. Mus. Greg. Ittv. LVH, 2N Dagegen treten
die Schnabelschuhe in einer Gruppe vorderasiatischer Feisreiiefs auf, dem so-
gen. Sesostris bei Nymphi, ferner in Ghiaour-Kale ( Phrygien ), in Koneh (Ly-
kaonien ), in Boghaz-Kieui ( Kappadokien ) , vgl. Perrot, Galatie S. 160. 376 ff.
Wo sie auf assyrischen Monumenten erscheinen , sind besondere Volkstypen dar-
gestelit. Die ägyptischen Schnabetschuhe scheinen mir verschieden , da bei ihnen
die Sohle in eine Spitze ausiäuft. Häufig wiederum begegnen sie uns in der
Kunst Aftitaliens und Etruriens, gewiss nicht ohne Einfluss der asiatischen
Cuitur. Am bekanntesten sind sie bei der Juno Lanuvina.
3 Oben S. 303 N° 7. Diesem Umstande verdankt es seine vortreffliche Erhal-
tung in der trockenen Erde des am Bergesabhang gelegenen Tumuius. Die auf
einem rohen Stein eingehauene Inschrift, welche zusammen mit dem Relief ge-
funden wurde, zeigt einen Namen im Genetiv 'Eppxvo; und ist jedenfalls sepul-
craf. Vgl. z. B. OEOeEMIOI C. Inscr. Gr. 2476, i auf Thera. Ebenfalls auf
einem unbehauenen Stein, den ich im Dorfe Ambelaki auf Salamis innerhalb
einer focker aufgeschichteten Mauer sah , steht : PITOTELO^ 'PtnoT^oo$.
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