Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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AUS SPARTA UND UMGEBUNG

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Ein anschauliches Beispiel für ähnliche, nur durch die
Natur des Terrains modificirte Ausstattung von Gräbern mit
Weihgeschenken bietet Thera dar,, wo sich um Felssarkophage
gruppirt zahlreiche Einbettungen für Rundfiguren, Reliefs
und Gippen gefunden haben (vgl. Ross, ded'BMC 1841.
13; Mott. Hl tav. 25. 26. S. 415 If. Tf. 9).
Ebenda begegnen wir in dem Bilde einer colossalen aus dem
Felsen gemeisselten Schlange (mit Bart, und Crista?) dem
monumentalsten Belege für ihre sepulcrale Bedeutung. Die
Schlange als chthonisches Thier ist in der gesammten älteren
Kunst — wo sie nicht als bekämpftes Ungeheuer, als Schreck-
bild auf Aegis, Schild u. s. w., oder bedeutungslos zur Raum-
ausfüllung, wie in schwarzßgurigen Vasenbildern erscheint—
consequent Wächterin des Ortes, speciell des Grabmals und
wird dadurch Begleiterin und stehendes Attribut des heroi-
sirten Verstorbenen sowie mythischer Heroen, z. B. des As-
klepios und der Dioskuren U Lediglich zur Bezeichnung des
Grabes findet sich die Schlange, einzeln und in der Mehrzahl
auf älteren Gefässbildern (mit der Darstellung des Tumulus).
Vereinzelt erscheint sie in plastischer Bildung ausser dem
eben angeführten Beispiel aus Thera auf Stelen, deren sepul-
crale Bestimmung ausser Zweifel steht (eine Reihe aus Athen
angeführt bei Pervanoglu, Dü? Gro&3<tem<? der ed?e% GrtccActt
S. 82 ff.). So dürfen wir auch 2 Marmorplatten mit je einer
aufgerichteten Schlange, die sich in dem Museum zu Sparta
befinden (N° 21. 22. des Fatal.), unbedenklich als Grabstelen
in Anspruch nehmen 2. Aehnliche Reliefs muss Fourmont
vor Augen gehabt haben, als er seine Inschriftsteine ^C. 7.
Gr. I, 57. 58) componirte.

1 Dass jedoch der Heros selber jemals als Schlange gedacht worden sei, wie
man mit Bezug auf die Sagen von Brechtheus, Sosipolis, Asklepios vermuthet
hat, scheint mir durchaus unerweisiich.
2 in der Bildung und Stellung sind diese Schlangen denjenigen unserer Re-
liefs nah verwandt. Dass sie gleichfalls archaisch seien, lässt sich zwar wegen
ungenügender Anhaltspunkte stilistisch nicht beweisen, wird aber durch den
Vergleich sehr wahrscheinlich (s. auch Hirschfeld Bull. 1873 S. 166).
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