Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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DIE ANTIKEN KUNSTWERKE

mele, Kora und Methe, weil im Grunde keine derselben dem
Culte des Dionysos beständig und innig verbunden erscheint*.
Zudem hatte Dionysos in Lakonien zwar eine Reibe ver-
einzelter^ besonders ländlicher Dienste, doch haftete sein
Cult keineswegs tief und allgemein im Volke. Der dorische
Stamm war ihm eher abgeneigt (Müller, Don'er 1, 403 f.).
Auch blieb die Tradition stets lebendig, dass er ein Zukömm-
ling sei. Nach Sparta batte ihm ein Heros den Weg gezeigt
(Paus. 111, 13, 7), welcher neben ihm Verehrung genoss, ln
ßrasiai war die Sage localisirt, dass dort Dionysos als Kind,
mit seiner Mutter Semele in einer Kiste verschlossen, ans
Land getrieben und von Ino auferzogen wurde (Paus. 111, 24,
3). Der geheime und der orgiastiche Cult, vorzugsweise von
Frauen gepflegt, gehört offenbar späterer Entwickelung an 2.
Von den Attributen und Darbringungen endlich sind die
Schlange, der Hahn, das Ei, die Blüthe, die Granate 3 dem
älteren Dionysoscult vollkommen fremd. Als das entscheidend-
ste, für Dionysos sprechende Attribut, welches allein unsere
Beweisführung umzustürzen droht, würde der Kantharos
gelten. In der That fällt dieses einzige Kriterium so schwer
ins Gewicht, dass sich unsere abweichende Ansicht nur im
Zusammenhang unserer bisherigen und der folgenden Dar-
legung rechtfertigen lässt. Mit grosser Bestimmtheit lässt sich
zudem behaupten, dass in der männlichen Figur des späten

* S. die Ausführungen bei Conze Ann. de!!' Inst. 1870 S. 284 ff. Indecora-
tiven Bildwerken (Vasen u. s. w.) erscheint Dionysos zwar oefter gepaart,
doch liegen hier rein künstlerische Gründe der Symmetrie vor. Vgl. auch am
amykläischen Thron: Ino, Dionysos, Semele, Kora, Piuton, Demeter.
2 Ueber die Dionysiaden und Leukippiden s. Paus. III, 13, 7 und Hesych. s.
v.; Geheimdienst durch Frauen in Brvseai Paus. III, 20 , 3. Fest auf dem Lary-
sion bei Gythion Paus. III, 22, 2. Im Taygetos Virg. Georg. 2, 487 virginibus
bacchata Lacaenis Taygeta. Vgl. Preller, Griech. Mythoi. E 596.
3 Für letztere lässt sich nur anführen, dass Dionysos auf dem Kypseloskasten
in einer Grotte unter Weinranken, Apfel- und Granatbäumen ruhend dargestellt
worden sei (Paus. V, 19, 6); dass die Granate aus einem Blutstropfen des
Gottes entstanden sei (Clem. Alex. Protr. II, 19), war eine orphische Version,
der gegenüber wir das Attribut der Granate zahlreich bezeugt finden bei Zeus,
Hera, Hades, (Demeter,) Kora und Aphrodite.
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