Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 466
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1877/0514
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
466

DIE ANTIKEN KUNSTWERKE

tauren ältester Bildung, Flügelgestalten u. s. w. zu wieder-
holten Malen thronende Figuren, denen andere adorirend in
Procession nahen oder Geschenke bringen (Kränze,, Gelasse,
Binden, Früchte z. B. Granaten u. a. m.) *. Das Geschlecht
dieser Figuren ist nicht immer sicher, aber aus der ganzen
Umgehung folgt, dass wir es mit göttlich verehrten Perso-
nen und zwar mit Gottheiten oder Heroen der Unterwelt zu
thun haben 2. Xun ist mehreren dieser Gottheiten der
Kantharos eigenthümlich, den sie entweder vor sich hal-
ten, (Micali tav. XX, 4. 12. Körte a. a. 0., wobei stets
zwei einander gegenüber sitzende je einen Henkel fassen)
oder beim Mahle benutzen (Micali XX, 19. 21). Attribut
ist der Kantharos streng genommen nur im ersten Falle,
wenngleich sich dasselbe aus der Vorstellung der Mahl-
zeiten in der Unterwelt entwickelt haben wird. Die Frage
ob der Kantharos in jedem einzelnen Falle als Trinkgeräth
oder als Symbol zu betrachten sei, könnte deshalb müssig
erscheinen; dennoch finden wir, dass die älteren Künstler in
sehr beachtenswerther Weise unterschieden haben. Über-
blicken wir z. B. die Darstellungen des Dionysos auf Vasen-
bildern, so ergiebt sich die Begel, dass der Gott den horU
z 0 n t a 1 gehaltenen Kantharos, welcher gefüllt zu denken ist,
am Fusse hält, am Henkel nur dann, wenn er leer und
gesenkt ist, zum Einschenken dargereicht, oder bei der
feierlichen Libation geneigt 3 wird. Diese verschiedene
Handhabung erklärt sich von seihst, wenn der Kantharos in

* Bereits Birch, Anc. Pottery S. 207 erinnert an die Aehnlichkeit dieser Sce-
nenmit den ReliefsdesHarpyienmonuments. S. besonders Micaii, Storia tv. XVIII.
XX. Mem. Rom. IV, tv. VI ff.
2 vgl. Micaii tv. XX. Unterweltsbeziehnngen erkennt auch Koerte bei der
Erwähnung eines Reliefstreifens auf einem Bucherogefässe aus Orvieto, ganz
ähnlich wie Micali Storia XX, 4. S. Annaii deil'Inst. 1877 S. 182. Auch die
sitzenden Figuren auf den nah verwandten volskischen Reiiefs in Neapel (Car-
loni, Bassirii. tv. I) koennen wir nicht für Magistrate sondern nur für Goetter
halten, ähnlich wie im Parthenonfriese, wenn der Vergleich gestattet ist.
2 Ausnahmen sind ganz vereinzelt und durch die Handlung motivirt. So in der
Athenageburt Mon. dell'Inst. IX, 55. Vgl. Elite ceram. I, 24, 2.
loading ...