Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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2 DIE GRABAKLAGEN IN MYKENE UND SPATA
homerischen Gestalten , weiche alle das Gepräge der reinsten
Menschlichkeit tragen und deshalb auf Hörer und Leser un-
vergänglich wirken, wurde im Geiste lebendig. Daher war
das Interesse an den mykenischen Funden von Anfang an all-
gemein. Ein nicht weniger lebhaftes aber andersgeartetes In-
teresse erregten diese Funde, nachdem Näheres darüber be-
kannt geworden war, in engeren Kreisen. Mit Erstaunen und
nicht ohne ein gewisses Missbehagen erkannte man, dass die
an das Licht gezogenen Schmucksachen und Geräthschaften
sowohl in Stil und Technik als auch in Bezug auf den Inhalt
der bildlichen Darstellungen und die verarbeiteten Stoffe ein
ungriechisches, barbarisches Gepräge trugen. Männer, deren
Interesse an den Überresten des Alterlhums vorwiegend ästhe-
tischer Natur ist, wie Künstler, fühlten sich von dieser rohen
Kunst abgestossen. Es war unter diesen Umständen von
grosser Bedeutung, dass bereits Avenige Monate später die
Gräberanlagen hei Spata entdeckt wurden, deren Inhalt
einen mit den mykenischen Alterthümern übereinstimmenden
Charakter trägt. Dadurch wurden die Zweifel an dem Alter-
thum der mykenischen Funde, welche mehrfach ange-
regt worden waren, niedergeschlagen ; zugleich wurde der
Blick über das enge Gebiet der argivischen Sage hinaus-
geführt. Die Forschung hatte jelzt eine sichere und breite
Basis gewonnen, auf welcher sie ihre Aufgaben erfüllen
konnte; und sie zögerte nicht von der ihr gebotenen Gelegen-
heit Gebrauch zu machen. Die vergleichenden Beobachtungen
und Untersuchungen der Herren Milchhöfcr und Newton
haben ergeben, dass die Gräberfunde von Mykene und Spata
einer Kunst angehören, welche von den alten Culturländern
Mesopotamiens ausgegangen, aber in Kleinasien und Phöni-
kien mit neuen Formen und Typen bereichert und stilistisch
beeinflusst worden ist L Man wird diesen Resultaten bei-

* Artikel von Milclihoefer in den Mittbeilungen des Inst, t S. 308-328, II
S. 82-84 und 261-276 ; von Newton in der Times v. 20. April 1877 (übers, von
Michaelis im Beiblatt zur Zcitsch. für bildende Kunst 1877 Nr. 32 und 33).
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