Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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DIE GRABANLAGEN IN MYKENE UND SPATA 3
stimmen müssen., welche mit den ältesten Verkehrsverhält-
nissen und dem dominirenden Einfluss, den in frühen Zeiten
die überlegene assyrische Cultur auf die Völker Vorderasiens
ausgeübt hat, im Einklang stehen. Indess scheint mir damit
der Standpunkt noch nicht erreicht zu sein, von welchem
aus die Alterthümer von Mykene und Spata beurtheilt werden
müssen. Meine Ansichten hierüber wollen Sie mir gestatten,
m. H., Ihnen mit derjenigen Reserve, welche mir der Gegen-
stand auferlegt, vorzutragen.
Dass die Gräberfunde einen nichthellenischen, barbarischen
Charakter tragen, durfte im Grunde nicht Wunder nehmen.
Die Untersuchungen, welche in letzter Zeit namentlich von
Brunn und Friederichs geführt worden sind, haben uns
darüber aufgeklärt, dass die griechische Kunst sich in ihren
Anfängen an orientalische Vorbilder angeschlossen hat und
lange Zeit hindurch den asiatischen Einflüssen unterworfen
geblieben ist. Auf dieser Entwickelungsstufe befand sich die
griechische Kunstfertigkeit in der Zeit, in welcher die home-
rischen Gedichte entstanden sind; der homerischen Kunst,
wie wir sie aus den Beschreibungen der Ilias und Odyssee
kennen lernen, sind die Alterthümer von Mykene und Spata
in jeder Beziehung nahe verwandt. Die Kunstthätigkeit hatte
sich noch nicht zu selbstständigen Schöpfungen erhoben,
sondern diente lediglich decorativen Zwecken; die Mittel der
Technik, über welche sie gebot, sind noch die einfachsten,
der Kreis der über das reine Ornament hinausgehenden bild-
lichen Darstellungen ist beschränkt und verräth orientalischen
Ursprung. In allen diesen Punkten stimmen die Gräberfunde
mit den homerischen Kunstwerken überein. Dehnt man aber
die Vergleichung zwischen den Alterthümern von Mykene
und Spata und den in den homerischen Gedichten beschrie-
benen Werken der Kunstfertigkeit weiter aus, so wird man —
und hiermit, m. H., nahem wir uns glaube ich dem Kerne
der Sache — einen Unterschied gewahr. Die homerische
Kunst steht zwar unter dem Einflüsse der orientalischen Kunst
und entlehnt dieser ihre Vorbilder, lässt uns aber daneben
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