Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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DIE GKABANLAGEN IN MYKENE UND SPATA

auch die Einwirkungen griechischen Geistes und griechischer
Sitte erkennen. Unter den Ornamenten begegnen wir griechi-
schen Erfindungen wie dem Gorgoneion; in den Darstellun-
gen aus dem Menschenleben, denen orientalische Vorbilder
zu Grunde liegen, erscheinen, wenn auch vereinzelt, die Ge-
stalten des griechischen Olymp; in der (Komposition hat man
die Anwendung griechischer Stilgesetze beobachtet ü Anders
die Gräberfunde : hier ist alles ungriechisch, Stil und Orna-
mente, Göttergestalten und Symbole, Kleidung und Haar-
tracht; nirgends eine Spur griechischen Geistes, griechischer
Sitte, griechischen Glaubens. Nicht in dem orientalischen
Charakter an sich sondern in dem ausschliesslich
orientalischen Charakter liegt das Überraschende, Befremden-
de, ich möchte sagen Beklemmende dieser Funde. Man hat
unter denselben das Gefühl, als wenn man plötzlich in eine
wildfremde Welt versetzt wäre, in der man sich vergebens
nach einem bekannten Gesicht, nach einer vertrauten Er-
scheinung umsieht. Unzweifelhaft sind viele von den gefunde-
nen Gegenständen als Waare aus dem Orient eingeführt, wie
ja auch in den homerischen Gedichten phönikische, kyprische
und selbst ägyptische Werke beschrieben werden. Mit grosser
Wahrscheinlichkeit ist ferner vermuthet worden, dass manche
von den Ornamenten in importirten Formen gepresst oder
gegossen worden seien, von denen einige Exemplare in My-
kene gefunden worden sind. Aber ein grosser Tbeil der Fund-
objecte ist doch auch unstreitig an Ort und Stelle und in freier
Nachahmung gearbeitet. Sollten die Tecbniten in Argolis und
Attika gar keinen Versuch gemacht haben die Götterund Sym-
bole ihrer Heimath in den Darstellungen, die sie nachahmten,
anzubringen, wie es in der Zeit der homerischen Sänger ge-
schehen sein muss? Sie werden mir vielleicht entgegnen, m.
H., dass die Gräber von Mykene und Spata aus einer Zeit
herrühren, die noch vor den homerischen Gedichten liege,

i Vgl. Brunn, Die Kunst bei Homer, Abh. der bayerischen Akademie der
Wissenschaften I. Ci. XI. Bd. MI. Abth. S. t ff.
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