Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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DIE GBABANLAGEN IN MYKENE UND. SPATA

Schritt näher gekommen, indem wir constatirt haben, dass
der Inhalt der Gräber in räumlicher Beziehung seine nächsten
Berührungspunkte auf den Inseln hat. Die Inseln des ägeischen
Meeres sind wie bekannt in relativ später Zeit hellenisirt
worden. Die grössten Historiker und Forscher des Alterthums
stimmen darin überein, dass die Inseln vorher von einem
nichthellenischen Völkerstamme bewohnt wurden, der von
der kleinasiatischen Küste vorgedrungen und dem Volke der
Karer nahe verwandt war. Von den Inseln aus hatten diese
von Osten hergekommenen Elemente weiter auch an den
Küsten der griechischen Halbinsel festen Fuss gefasst. Dies
war namentlich in den Umgehungen des saronischen Meer-
husens der Fall gewesen; nach Aristoteles waren die Städte
Ilermione, Epidauros und Megara ursprünglich karische
Gründungen gewesen U Der Einfluss der assyrischen Cultur
auf die kleinasiatischen Völkerschaften datirt aus dem zweiten
Jahrtausend vor Christus; es ist noch nicht vollständig auf-
geklärt aber höchst wahrscheinlich, dass Kleinasien eine Zeit
lang, vielleicht in der Form einer Secundogenitur, auch po-
litisch von Assyrien abhängig gewesen ist. Seitdem sich so-
dann die phönikische Schiffahrt und der phönikische Handel
entwickelt hatten, d. h. etwa seit dem 13ten Jahrhundert,
richteten auch die Phönikier ihre Fahrten nach dem ägeischen
Meere und gründeten dort unter und neben den Karern
Niederlassungen. Aus dieser Berührung entwickelte sich,
wie mehrfache Andeutungen schliessen lassen, auf den ägei-
schen Inseln eine eigenartige, wenn auch in ihren Grund-
lagen nicht originale Cultur, deren Blüthe wir ungefähr in
das 12te und llte Jahrhundert setzen dürfen und als deren
mythischer Repräsentant der Seekönig Minos erscheint. Nach
Herodots hyperbolischem Ausdruck waren die Karer zu den
Zeiten des Minos von allen Völkern weitaus das berühmteste 3;
die späteren Chronographen haben diese Periode als die Zeit

* Aristoteles b. Strabon VtH p. 374; über Megara Pausan. I c. 39. 40.
2 Herodot 1171.
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