Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 9
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0019
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
DIE GR AB ANLAGEN IN MYKENE UND SP ATA

9

der karischen Seeherrschaft bezeichnet. Derselben Culturepoche
gehören meiner Ansicht nach die Gräberfunde an die uns be-
schäftigen. Ich bin der Meinung, dass die Grabanlagen von
Mykene und Spata von karischen Einwanderern herrühren,
welche sich an der argivischen und attischen Küste niederge-
lassen hatten. Dass in Attika fremde, den kleinasiatischen
Völkerschaften verwandte Elemente ansässig gewesen sind,
beweisen die Namen der Berge Brilettos, Lykabettos, Ardettos
und Hymettos, die aus dem Griechischen nicht erklärt wer-
den können und in den eigentümlichen Suffixen mit zahl-
reichen Ortsnamen übereinstimmen, welche in Kleinasien und
besonders in Karien verbreitet waren E In Karien gab es eine
Stadtgemeinde oder einen Stamm der Hymettier E Für Ein-
wanderungen in Argos spricht bekanntlich die alte einhei-
mische Königssage, nach welcher Perseus, der Erbauer von
Mykene, von den Inseln gekommen, Pelops der Ahnherr der
zweiten Dynastie des Landes, aus Lydien eingewandert war.
Der Name der Landschaft thut hier nichts zur Sache, noch He-
rodot bezeichnet die Lyder, Myser und Karer als nahever-
wandte Völkerschaften, die in der karischen Stadt Mylasa ein
gemeinsames Heiligthum eines von den Griechen mit Zeus
identifizirten nationalen Gottes hatten E Das Symbol dieses
karischen Gottes, die Doppelaxt, ßndet man auf den mykeni-
schen Schmucksachen mehrfach abgebildet. Zu den Eigen-
tümlichkeiten der mykenischen Grabanlage, welche nicht
wie diejenige von Spata in früheren Zeiten bereits geplündert
worden ist, gehört die grosse Menge von Waffen, welche in
den einzelnen Gräbern vorgefunden wurden. In dem vor we-
nigen Tagen erst geöffneten verhältnissmässig dürftig ausge-
statteten Grabe, welches zwei Leichen enthielt, lagen 11

* Vgl. Kiepert, Lehrbuch der alten Geographie S. 73 Anm. 3.
2 S. Corpus inscr. Att. I 37 Fr. w Z. 8 ('1*^.7-,oa7)0. — Den Beinamen des Zsu;
rsAeuüv, des Stammgottes der attischen Phyle der Geleonten, leitete PreRer
(Ausgewählte Aufsätze S. 587) von einer karischen Wurzel ab, welche gleich-
bedeutend war mit ßaatXEo;, vgl. Steph. Byz. u. Eou%YY^R-
^ Herodot. a. a. 0.
loading ...