Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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DIE GRABANLAGEN IN MYKENE UND SPATA

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überlegenen Cultur haben die von Osten her vorgedrungenen
Einwanderer an der griechischen Küste festen Fuss fassen
können. Es müssenkriegerische und prachtliebende Geschlech-
ter gewesen sein, welche ihre Todten von Kopf his zu den
Füssen in Goldblech hüllten und die Gräher wie Waffenkam-
mern austatteten. Ich halte es für gar nicht unwahrscheinlich,
dass das argivische Königsgeschlecht der vordorischen Zeit
von den fremden Einwanderern abstammte. Denn vermuthlich
sind doch, als einmal das griechische Element den fremden
Ansiedlern gegenüber zur Geltung gelangte, die letzteren nicht
vertrieben worden sondern in der alteinheimischen Landesbevöl-
kerung aufgegangen. Die Hellenisirung der Inseln wenigstens
wird man sich nicht anders vorstellen können als erfolgt
durch Zuwanderung und Verschmelzung. Für ein Volk ist es
ein zweifelhafter Vorzug einen ganz reinen Stammbaum zu
haben. Während Nationen, welche sich in stolzer Zurückhal-
tung von jeder Vermischung mit fremden Blute fern halten,
nach kurzer Blüthe einem frühen Verfalle entgegenzureifen
pflegen, haben sich in der Geschichte von jeher diejenigen
Völker als die cultur- und lebensfähigsten bewährt, welche es
verstanden haben fremde Elemente in sich aufzunehmen und
sich zu assimiliren. Die Griechen haben sich diese Befähigung
bis auf den heutigen Tag bewahrt. Hierin liegt für mich eine
der sichersten Bürgschaften für die zukünftige Entwicklung
des griechischen Volkes.

ULRICH KÖHLER.
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