Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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ZWEI PELOPONNESISCHE BRONZEN

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Pervanoglu beide Figuren als Schmuck von Cisten auffasst,
weiss ich nicht; einfacher scheint mir die Annahme, dass
wir es mit Votiven zu thun haben.
Interessanter als des Gegenstandes wegen ist die Bronze
wegen ihres Stiles. Dass wir ein Erzeugnissaltpeloponnesischer
Kunst vor uns haben, lässt schon der Fundort als sehr wahr-
scheinlich vermuthen. Ausserdem linden sich dieselben Stil-
eigenthümlichkeiten wieder, welche, wie Brunn neuerdings
(Arch. Zeit. 1876 S. 26 ff.) gelehrt hat, für die peloponne-
sische Kunst im Gegensätze zur attischen charakteristisch
sind. Mit den von Brunn behandelten Werken hat unsere
Bronze gemein die flächige Behandlung, die einfache Schlicht-
heit und Strenge in der Linienführung des Körpers wie des
Gewandes, die Klarheit und Sparsamkeit in der Darstellung
des dem Ganzen untergeordneten Details, kurz das mathema-
tisch-architektonische Bildungsprincip. Es wäre zu viel ver-
langt, auf Grundlage eines so kleinen Werkes die bisherigen
Beobachtungen über die Eigentümlichkeiten des peloponne-
sischen Stiles vervollständigen oder weiterführen zu wollen,
wie dies wol bald mit Hilfe einer ganzen Beihe von Denk-
mälern spartanischer Provenienz geschehen wird *, wir müssen
uns mit der Constatirung der Richtigkeit der bisherigen An-
sicht begnügen.
Nur auf den Vergleich mit einer Gruppe von Statuen,
welche sich in neuerer Zeit keiner besonderen Beachtung er-
dreut haben, möchte ich noch die Aufmerksamkeit lenken. Es
sind dies die bekannten sog. Tänzerinnen aus Herculaneum 3.
Trotzdem dass diese Statuen einer weit vorgeschritteneren
Kunst als unsere Bronze angehören, ist es doch unverkenn-
bar, dass in ihnen derselbe Grundcharakter, nur weniger

* [Vg!. jetzt MittheitungenH S. 293 ft. — U. K. ]
2 Diesetben wurden nicht, wie man gewoehntich tiest, im Theater zu Her-
culaneum gefunden, sondern in einer am Meere getegenen ViHa, wo sie als
Schmuck eines grossen Wasserbassins verwendet waren. Vgf. Wincketmann,
Sendschreiben von den hercutaniscben Entdeckungen g 45 : Stuttg. Ausg. seiner
Werken S. 143.
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