Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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DIE THORANLAGEN BEI HAGIA TRIADA

Beerdigung des Anthemokritos dies zuliesse. Kimon's Nach-
folger, Perikies, vollendete was Kimon begann; man kann
daher vermuthen, dass dieser jenes Thor gebaut hat L
Wachsmuth S. 630 hält es wegen Plut. Per. 30 für unmög-
lich, dass das Dipylon von Perikies angelegt sei. Aus dieser
Stelle geht aber wohl nur hervor, dass zu jener Zeit bis kurz
vor dem Anfang des peloponnesischen Krieges das Thor thri-
asisches genannt wurde und erst hernach den Namen AurüXov
bekam. Das an Stelle des Dipylon vor diesem erbaute Thor
war wahrscheinlich wie das heilige mit nur einem Eingänge
aber zwei Verschlüssen angelegt und führte wie fast alle Thore
den Namen des Ortes oder der Landschaft wohin es führte.
Der Erweiterungsbau des Thores, welcher ihm eine von den
anderen Thoren abweichende Form gab, liess den ursprüng-
lichen Namen verschwinden und an dessen Stelle einen an-
deren treten, welcher die abweichende Bauart zum Ausdruck
brachte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Name nicht
plötzlich wechselte, sondern dass die neue Benennung nach
und nach als prägnantere Bezeichnung üblich wurde. Es ist
aber auch möglich, dass das Dipylon, diese Verstärkung der
Befestigungsanlagen der Stadt, in den Jahren von der Beer-
digung des Anthemokritos bis zu Perikies Tode erbaut ist.
Nach jener Zeit, seit dem Ausbruch des peloponnesischen
Krieges, ist (wie Curtius sagt, Text zu den 7 Karten S. 37) Athen
nie wieder in der Lage gewesen so planvoll, in so grossem
Stil und mit so reichen Mitteln öffentliche Bauten auszu-
führen. Einer späteren Zeit wird man daher das Thor nicht
zuschreiben können.
Endlich kommen wir zu der dritten hier nachweisbaren

* Boetticher spricht im IM. Supplementband zum Philologus S. 404 die Ver-
muthung aus, dass das Dipylon von Perikies erbaut sei; « dieser mochte als
Vorbereitung zum peloponnesischen Krieg das feste Dipylon angelegt haben «.
Durch den Bau des Dipylon ist die Stadtmauer, wie wir sahen, bedeutend ver-
stärkt, und die ganze Westfront gegen einen Angriff derLakedaimonierund
deren Verbündeter widerstandsfähiger gemacht worden. Die Vermuthung hat
also bedeutend an Wahrscheinlichkeit gewonnen.
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