Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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REISEBERICHT AUS ACIIAIA

aber aus schönem aber kolossalem Polygonalbau bestellt;
ferner ist an der Ostseite noch der imposante Unterbau eines
nach Ost gewandten Gebäudes, wohl eines Tempels, aus re-
gelmässigen grossen Quadern zu bedeutender Höhe erhalten;
an der Nordseite unten am Bach; der hier in den Gortynios
einmündet; verräth die Felsbearbeitung ein ziemlich bedeu-
tendes Heiligthum; was dort muss bestanden haben; und
östlich jenseit des Gortynios —- die Stadt erhebt sich näm-
lich auf langgestrecktem Felsrücken an dem r. westlichen
Ufer desselben — sind viele antike Gräber gefunden mit
rohem Thongeschirr und Münzen; meist von Bronze; von
alter Zeit an bis zum Anfang des Mittelalters, wo die alte
Stadt eingegangen scheint. Der jetzt nur auf theilweise le-
bensgefährlichen Saumpfaden zu erreichende Ort (obwol
Hauptstadt der Eparchie Gortynia) hatte im Alterthum nach
wenigstens drei Seiten der Aussenwelt Fahrstrassen.
Von Alterthümern fällt zunächst ein vor'm Schulgebäude
angeketteter ziemlich grosser Löwe aus Marmor auf, aller-
dings so roh, dass man ihn in's Mittelalter setzen möchte,
der aber sicheren Aussagen zufolge bei einem der antiken
Gräber an dem Weg nach Palumbo gefunden ist.
Im Schulgebäude ist der Anfang einer kleinen Sammlung
von Alterthümern gemacht; zunächst eine stattliche Reihe
meist dort gefundener Münzen, worunter leider keine, welche
uns bei der Benennung der Stadt zu Hülfe kommen könnte;
ferner kleine Bronzeanatheme ohne Kunstwerth aus der Um-
gegend, z. B. eine Kuh, ein Hirsch, und ein Hund aus He-
raia, ein Widder aus Thelpusa, ein Stier aus der Nähe von
Gortys; aus Terracotta eine Aphroditemaske mit Diadem aus
Skillus. Aus Sparta ein kleiner Pallaskopf aus Marmor, und
zwei interessante grössere Stücke (aus Magula bei Sparta),
welche als Schmuck zu einem Gebäude gehört haben müssen,
vielleicht Schlusssteine in Bögen. Es sind zwei lehensgrosse
Köpfe, welche jeder in Hochrelief von einer nach oben vor-
gehenden grauen Marmorplatte sich büstenartig abheben (H.
der Köpfe 0,32; des ganzen 0,44).
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