Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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'STATUEN AUS AEGION

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die Ausführung betrifft so ist dieselbe geschickt aber ohne
alles feinere Detail. Die Behandlung des Nackten namentlich
(beim Hermes) ist flau und kraftlos, die Faltengebung, bei
einem gewissen Raffinement der Anordnung, hart. Wir dürfen
die Statuen daher mit Bestimmtheit der römischen (Kaiser-)
zeit zuschreiben. Die Körperbildung des Hermes erinnert,
wie auch das volle Aufruhen beider Füsse auf dem Boden an
die Pasiteles-Schule, doch fehlt völlig das Herbe, Archai-
sirende dieser Schule und namentlich der Kopftypus ist von
dem so charakteristischen pasitelischen durchaus verschieden.
Das Interesse, welches unsre Statuen erregen, ist vielmehr
ein inhaltliches. Für beide giebt es hinsichtlich der künst-
lerischen Motive eine Reihe von Analogieen. Was zunächst die
weibliche Statue betrifft so begnüge ich mich, auf einige ver-
wandte, die sich in Athen und zwar im Patissia-Museum
selbst befinden, hin zu weisen. Am meisten entspricht ihr
die von Andros stammende, früher in der Hadrians-Stoa auf-
bewahrte weibliche Statue bei Heydemann, Die antiken
Marmorwerke u. s. w. n" 191. Die an sich nicht bedeuten-
den Abweichungen im Motiv sind freilich ebensoviele Vor-
züge der letzteren Statue. Das (linke) Spielbein ist hier
ein wenig vor das Standbein gesetzt und der Figur da-
durch ein sicherer und festerer Stand, grössere Würde
und Geschlossenheit gegeben. Der rechte Arm ist in ähn-
licher Weise erhoben und auch hier sah die (besonders
gearbeitete jetzt fehlende) Hand aus der Gewandung hervor,
aber während der quer vor dem Körper eng anliegende
Arm der Statue von Aegion etwas Gezwungenes giebt, ist
hier durch die Loslösung desselben vom Körper der Eindruck
grösserer Freiheit und Ungezwungenheit erzielt. Der Falten-
wurf ist einfacher und ruhiger ohne das viele kleinliche De-
tail der Statue von Aegion, die Arbeit endlich unvergleichlich
besser und lebensvoller *. Dasselbe gilt wenn auch nicht in

* Der besonders eingesetzte Kopf ist leider ebenfalls nicht erhalten.
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