Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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STATUEN AUS AEG10N

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sagen, ob der Hermes von Andros oder der in einem grösse-
ren Heroon aufgestellte von Thasos überhaupt einen bestimm-
ten Todten repräsentirten (wenn auch nicht als ikonisches
Abbild desselben) oder ob sie nicht nur allgemein als Hermes
Chthonios (welchem bei Begräbnissen geopfert wurde *) auf
dem Grabe aufgestellt waren. Gewiss ist letztere Auffassung
die frühere gewesen und erst allmählig hat man sich ge-
wöhnt, in dem Bild des Hermes den Verstorbenen selbst in
verklärter Gestalt zu sehen Auf jeden Fall ist für alle die
von uns betrachteten Statuen daran festzuhalten, dass sie
Statuen des Hermes, Repliken eines augenscheinlich
berühmten Werkes (dem die Statue von Andros am nächsten
steht), nicht Porträts von Verstorbnen mit den Attributen des
Hermes sind. Zeigen sie doch, besonders B, u, c, d eine
eigentümliche breite und schwere Bildung des Oberkörpers,
welche auf jenes Prototyp zurückgeht. Auch in dem Exemplar
von Aegion (A), welches der Arbeit nach wohl eines der
spätesten ist, springt diese Eigentümlichkeit noch in die
Augen. Mit Recht hat man daraus geschlossen, dass die
Schaffung des Typus der vor-lysippischen Zeit angehöre;
der Künstler der schönen Statue von Andros ist vielleicht der
Erste gewesen, der mit den schwereren Formen des Originals
die neuen durch Lysipp zur Geltung gekommenen zu vereinigen
strebte und namentlich dem Kopfe jenen entschieden lysippi-
schen Typus gab der von den späteren, weniger originellen
Nachschöpfern fortan beibehalten wurde. —

G. KÖRTE.

* Preller, Griech. Mvthol. 330.
2 Für Darstellung eines Todten von nicht fürstlichem Stande mit den Attri-
buten einer andern Gottheit kenne ich nur das späte Beispiel des Saturninos
(auf einem Sarkophag, als Dionysos), welches Ross A. A. ! S. 5t beibringt.
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