Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 106
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ZUR GESCHICHTE DES ATHENISCHEN THEATERS

Jahren waren die Archontennamen vorgesetzt, in dem vor-
stehenden Fragment beginnt die erste Coiumne mit der Ko-
mödie, auch dieser Theil ist unvollständig, es fehlt die Über-
schrift xMgtp&av. Daraus folgt, dass links eine Platte anstiess,
welche mindestens eine Coiumne enthielt; und in der That
ist der an dieser Seite erhaltene Rand des Steines als Stoss-
kante bearbeitet. Am Ende der Coiumne, welche jetzt als die
erste erscheint, begann eine neue Jahresliste; auf den Namen
des Archonten folgten die Namen der Phyle und des Chore-
gen, welche in den Wettgesängen der Knabenchöre den Sieg
davon getragen hatten; hieran schlossen sich im Anfang der
zweiten (erhaltenen) Coiumne die entsprechenden Angaben
über den Agon der Männerchöre an.
Die Inschrift ist nicht vor der Mitte des vierten Jahrhun-
derts cingegraben, scheint mir aber auch nicht viel jünger
zu sein. Der Umstand dass dieselbe in ionischer Schrift abge-
fasst ist, verleitete Keil zu der Annahme, dass die darin ver-
zeichneten Siege frühestens in das vierte Jahrhundert fielen
und dass der X. 5 genannte Chorege Perikies ein späterer
Nachkomme des berühmten Staatsmannes sei. Daran ist nicht
zu denken ; die Vereinigung der Dichter Magnes und Aeschy-
los mit dem Choregen Perikies beweist, dass dieser Agon in
eine viel frühere Zeit gehört als die uns vorliegende Auf-
zeichnung. Aeschylos starb im J. 456, zwei Jahre früher im
Frühling 458 trug er mit der üresteia in Athen seinen letzten
Sieg davon, aber in diesem Agon hatte ihm, wie wir aus der
erhaltenen Didaskalie wissen, nicht Perikies sondern Xeno-
kles den Chor ausgerüstet. Der Agon der Inschrift muss dem-
nach vor das J. 458 fallen. Von Perikies berichtet Plutarch
Per. 16, wie ich glaube nach Theopomp, dass er 40 Jahre
lang am öffentlichen Leben Theil nahm. Diese Angabe wird
man sich nur so erklären können, dass in der Überlieferung,
und zwar der Natur der Sache nach der urkundlichen, Peri-
kles um das J. 469 zum ersten Male in einer öffentlichen Stel-
lung genannt war. Nun siegte im Frühjahr 467 Aeschylos
mit den Sieben gegen Theben. Hiernach vermuthe ich, dass
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