Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 130
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MO ZUR GESCHICHTE DES ATHENISCHEN THEATERS
ein Jahr auseinander; in einem Falle (s. Fr. d) scheinen
sogar drei Jahre ohne Aufführungen wenigstens von neuen
Stücken., d. h. ohne Agon verstrichen zu sein. Man wird
diese Erscheinung nicht zu Gunsten der Lenäen geltend ma-
chen wollen. Das Unterbleiben der komischen Aufführungen
an den dionysischen Festen erklärt sich; nicht sowohl aus
dem Ermatten der dichterischen Production; obwohl auch
diese sich im Laufe der Zeit fühlbar gemacht haben wird; als
aus der Verarmung des Staates und dem Mangel an guten
Willen Seitens der reichen Bürger für den Staat die Kosten
der Aufführungen zu übernehmen ^; endlich gewiss aber
auch aus dem Sinken der Tlieilnahme von Seiten des Publi-
cums. Seit der Gründung der Fürstensitze in Alexandrien,
Antiochien und Pergamon zogen die dortigen; von der Theil-
nahme und Munifizenz der Höfe getragenen Theater Dichter
und Schauspieler an; das athenische Theater; welches Jahr-
hunderte hindurch unbestritten der Mittelpunkt der drama-
tischen Poesie und Kunst gewesen war; sank seitdem zu der
bescheidenen Stellung eines Provinzialtheaters herab; dieser
Umschlag kann nicht ohne Rückwirkung auf das athenische
Publicum geblieben sein. So wirkten verschiedene Gründe
zusammen, welche es begreiflich erscheinen lassen, dass die
dramatischen Aufführungen und damit die dionysischen Fest-
feiern in Athen seit dem dritten Jahrhundert in Verfall ge-
riethen.
Die zweite Bemerkung, welche einem beim Durchlesen
der komischen Didaskalieen des dritten und zweiten Jahr-
hunderts aufstösst, ist, dass als Verfasser der zur Aufführung
gekommenen alten Stücke nur Dichter der neueren Komödie
genannt sind (Menander zwei, vielleicht drei Mal; Philemon,
Philippides, Poseidippos je ein Mal), kein Stück eines Dich-
ters der mittleren Komödie vorkommt. Dies ist auffallend. Es
ergiebt sich daraus die litterar-historisch nicht unwichtige

* Diese Verhältnisse zu befeuchten bfeibt einem späteren Abschnitt Vor-
behalten.
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