Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 138
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0152
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
138

SCHAUSHELERlNSUHlüfTEN^

tyonischen Bundes in Delphi hatte wie bereits bemerkt dieser
die Oberaufsicht über die scenischen Künstler, ln dem 2ten
der am Eingang besprochenen Dekrete aus der zweiten Hälfte
des 2ten Jalirh. v. Chr. tritt zum ersten Male die Bestimmung
auf, dass die Künstler im Besitz ihrer Sonderstellung bleiben
sollen, soweit es nicht den Interessen der Römer wider-
spreche. Dem römischen Senat wurde also ein Veto eingeräumt,
doch liess er noch die alten Bestimmungen bestehen. Eine
Appellation einer der Parteien an die römischen Behörden
war dadurch nicht ausgeschlossen und es müssen die Schau-
spielerbanden sich in streitigen Fragen wohl auch selbst an
die römischen Beamten gewandt haben und wenn auch jene
alten Bestimmungen wohl nicht ausdrücklich verändert oder
aufgehoben worden sein mögen, so haben diese Beamten doch
wenn man sich an sie wandte gewiss auch ihr Urtheil nicht
zurück gehalten (vgl. Lüders a. a. 0. S. 67).
Die Veranlassung zu obigen Bemerkungen geben einige im
Museum zu Theben aufbewahrte und ohne Zweifel aus Theben
selbst stammende Inschriften. Die musischen Aufführungen
in Theben fanden einestheils durch die Wandertruppen Statt,
die z. B. an den Herakleia in Theben aufzutreten pflegten
(vgl. die grosse tel'sche Inschrift C. 7. Cr. 3067, Z. 20; auch
die thebanischc Inschrift bei Keil &///. S. 80, Lebas 504),
theils auch durch eine in Theben selbst ansässige Schau-
spielergesellschaft *. Diese ist bekannt durch die C. 7. Cr. 1600
= Keil Sy//. S. 104 — Lebas 505 publicirte Inschrift, von
welcher wir hier eine genauere und vollständigere Copie ^
folgen lassen :

' Die Schauspieler, mit denen sich Sulla in Aedepsos belustigte, und die,
welche auf der von ihm beim Ocdiposbrunnen errichteten Thvmele seine Epi-
nikien leierten, gehoeren offenbar den herumziehenden Schauspielerbandcn an.
Die Frage, ob das Thebaner Technitencollegium Schauspieler im engeren Sinne
unter sich gezählt, wird von Welcher (Gr. Tr. S. 1309 ) und Wieseler (Gr.
Theater in der Encvcl. Bd. 83 S. 164 A. 40), der die Aufführung von Dramen
in Theben überhaupt in Abrede stellt, verneint, von Lüders a. a. O. S. 111 bejaht.
^ Soeben langt das Buch von Kaibel, Epigrammata Graeca ex lapidibus con-
loading ...