Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 184
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DIE CHARITEN DER AKROPOLIS

nur noch an die sog. Thauschwestern denken; doch diese
hatten eben als Breiverein keinen Cult. Unabhängig von den
andern hatte Pandrosos ihr Heiiigthum neben der Polias und
in ihrem Temenos, ein Factum das der Mythus durch ihre
Treue in der Geschichte von Erechtheus motivirte. Aus dieser
ältesten Zeit der noch selbständiger nebeneinander existiren-
den agrarischen Gottheiten mag auch Hie gemeinsame Vereh-
rung der einzelnen Thallo mit der Pandrosos stammen.
Ebenso selbständig wie die letztere ist Agraulos in ihrem
Culte am nördlichen Burgabhange, was in einem gesonderten
Feste und dem Eide der Epheben in ihrem Heiligthume am
deutlichsten hervortritt (vgl. A. Mommsen Heortol. S. 435).
Als Dreiverein erscheinen also die Töchter des Ivekrops nicht
im Culte, sondern nur im Erechtheusmvthus, und da tren-
nen sie sich auch sofort wieder in zwei neugierig unfolgsame
und eine treue Dienerin der Polias. Man wird daher Eurip.
Ion 504 ff. nicht als aus der Volksvorstellung und Cultver-
hältnissen hervorgegangen sondern nur als dichterische Schil-
derung des Ortes ansehen müssen, wo Ivreusa den Ion gebar
und wo der Dichter, in jene älteste Zeit sich versetzend, des
Urkönigs Töchter zur Pansflöte tanzen lässt. * *
Der Cult der Chariten am Eingänge der Akropolis ist be-
kannt; dass er von Alters her eben einen Dreiverein betraf
hat C. Robert in der genannten Abhandlung gezeigt und als
die ursprünglichen Namen Thallo Auxo und Ixarpo dargethan.
Unsere Reliefs können wir nur als Weihgeschenke an diese
Göttinnen fassen. Und als solche haben sie nicht geringe Be-
deutung für die Geschichte der Votivreliefs. Denn etwa abge-
sehen von dem Relief hei Schöne n° 84 sind sie die ältesten
aus Athen bekannten Weihereliefs. 3 Die Zeit der Entstehung

Gratiis Atticis, deren Resultaten ich mich im Folgenden durchaus anschliesse.
* Auch die Einführung des Pan, dessen Cult an der Burg rciativ so spät fällt,
spricht für die obige Annahme. Nicht minder sind die ova$'.a der sich
zurückversetzenden Dichterphantasie zuzuschreiben.
2 Zu einem selbständigen Votivrelief gehoerte indess auch ein archaische^
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