Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 185
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DIE CHARITEN DER AKROPOLIS

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des ersten Exemplares müssen wir nach dem Stile ungefähr
um Ol. 80 (oder eher etwas früher) ansetzen; die andern
müssen in einem kurzen Zeiträume etwa von 25—30 Jahren
gefolgt sein. Der Stil gehört den letzten Stadien des archa-
ischen an; schon in den Aeusserlichkeiten, der Haartracht,
dem Fehlen der langen auf die Schulter fallenden Locken ^
dafür dem Auftreten der Haube, ferner in dem Erscheinen
des dorischen Chitons mit Leberschlag hei zweien der Mäd-
chen, kündigt sich bereits das Verlassen der attischen archai-
schen Traditionen an; noch mehr zeigt sich dies in der Be-
handlung der Falten in Bewegung. Gleichwohl macht sich
andrerseits in der Legung gewisser Falten, dem Chiton der
Figur rechts und vor allem in der Haltung der Gestalten die
alte Tradition geltend. Die Arbeit und Ausführung stimmt
ganz mit den übrigen zunächst zur Vergleichung vorliegenden
attischen Werken (meist Statuenfragmenten) überein und hat
keinesweges etwas ((ungewöhnliches)). Auch sind in keinem
der Reliefs Spuren späteren Archaisirens vorhanden. Es muss
also gegen und um die Mitte des fünften Jahrhunderts, wel-
cher Zeit unsere Reliefs angehören, der Cult der Chariten an
der Akropolis in besonders hohem Ansehen gestanden haben.
Ein zeitlich so beschränktes Auftreten einer gewissen Gat-
tung von Weihungen ist nicht ganz ohne Analogie: die zahl-
reichen Reliefs vom Asklepieion stammen zum weitaus gröss-
ten Theile aus dem vierten Jahrhundert und vorwiegend
aus dessen erster Hälfte. Auffallender ist die fast völlige Ue-

Fragment der Akropotis das nur noch acht Pferdehinterbeine eines Viergespan-
nes zeigt (H. 0,t2. Parischer Marmor. Der Grund war dunkelgrün gemalt).
Anders das Relief bei Schoene n. 73 das der Schmuck einer Basis ist. Ebda
n. 83 gehoert bereits einer entwickeiteren zwischen den Chariten und der
Phidiasischen Epoche vermittelnden Stufe an; dieser spätere Charakter tritt
deutticher noch hervor in dem jüngst hinzugefundnen Fragmente dieses Re-
liefs, das einen der Goettin gegenübersitzenden Mann zeigt der mit erhobner
Rechten ihr etwas reicht; zwischen beiden ein tisch-oder kastenartiges Ge-
rätli von schiefen Beinen gestützt. Man denkt an die Uebergabe irgend wel-
cher Gegenstände an die Stadtgoettin, etwa durch den Demos?
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