Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 186
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0204
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
18C

DIE CHARITEN DER AKROPOLIS

bereinstimmung unsrer Reliefs selbst in den Maassen; als
nächste Analogie wüsste ich zunächst nur anzuführen die
zwei sehr alten Spartanischen Reliefs Mittheil. HTaf. 20 und
22;, die wenigstens nur in wenig Punkten von einander dif-
feriren. Zur Erklärung jener Eigenthümlichkeit darf indess
auch bemerkt werden, dass unsre Reliefs in ihrer Darstel-
lung alle individuellen Beziehungen des Weihenden aus-
schliessen und nur die Gottheiten in ihrer typischen Gestalt
wiedergeben. Sie gehören so zu einer ziemlich kleinen Classe
von Votivreliefs die ohne anbetende oder Opfer darbringende
Menschen die Gottheit allein darstellen; eine Gattung die in
ältrer Zeit häutiger gewesen zu sein scheint, während sie im
vierten Jahrhundert fast ganz verschwindet,* um erst in rö-
mischer Zeit wieder aufzutreten, ähnlich wie die Grabreliefs
der letzteren Epoche statt der Abschiedsscenen wieder die ab-
stractere Darstellung der einzelnen Menschen bevorzugen.
Wie wir sahen fallen die besprochnen Reliefs alle oder
wenigstens die ältern Exemplare vor den Bau der Propyläen,
was bei der Frage nach ihrem ursprünglichen Aufstellungsorte
vor allem zu beachten ist. Die intime Beziehung der Chariten
der Akropolis zur Artemis-Hekate ebenda ist bekannt und
wird von ihr noch weiter unten die Rede sein. Der Standort
der letzteren ist sowohl durch ihren Beinamen ETinTrjpyiMx
als durch das Zeugniss des Pausanias (11, 30, 2) e?T7ixs Rs
TTxpx xTvvspo'j Nixvr; vxov ziemlich genau bestimmt. Die
Chariten dürfen ihr nicht ferne gewesen sein, doch befanden
sie, resp. die von der Cultstätte nicht zu trennenden angeb-
lichen Werke des Sokrates sich zur Zeit des Pausanias

* Noch dem Ende des fünften scheint anzugehoeren das vorzügtiche Retief
( ungenügende Abbitdung bei Le Bas Mnn. hg. 49, 1; vg]. Heydemann Marmor-
bitdw. n. 720), das der Sohn eines Bakchios weihte und das offenbar Apollon
Pvthiosdarsleitt, rechts Leto und tinks Artemis auf ihren Bogen gestützt.
Ausserordenttich verwandt in Composition und Arbeit ist ein Relief vom Süd-
abhange das ebenfalls nur die Goetter zeigt, in der Mitte Asklepios auf dem
Omphalos sitzend (verkannt in der Beschreibung F. von Duhns in der Arch.
Zeit. 1877 S. 162), rechts Hygicia, links einer der Soehne.
loading ...