Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 190
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DIE CHARITEN DER AKROPOLIS

der Arch. Zt. 1877 S. 160 n° 64 und S. 161 n° 68 beschrie-
bnen Fragmente zu einem und demselben Relief, das dadurch
indem n° 64 das rechte Ende bildet nahezu vollständig wird*
und die drei Mädchen zeigt die sich bei den Händen fas-
send 2 im Tanze nach links schreiten, ganz in der Haltung
des obigen Typus, nur dass die mittlere den Kopf nach
rechts umwendet. Sehr verschieden von jenem sind jedoch
der Stil und die Gewandung der Figuren. Die vorderste trägt
einen Mantel quer über die Brust mit sorgfäitger archaisi-
render Fältelung, die mittlere trägt einen gegürteten Chiton
ohne Ueberschlag und die letzte einen nur unten hervorkom-
menden wollenen Unterchiton (von F. v. Duhn iF 64 «Man-
tel)) genannt), darüber einen gegürteten Chiton mit Ueberfall
dessen vielgefältelte Enden vom Körper spitz abstehen nach
Art der archaisirenden Werke (vgl. z. B. die Preisamphoren
des vierten Jahrhunderts). Neben dem Archaisiren in der Ge-
wandung sind gleichwohl Haartour und Gesicht von ganz
freier Bildung. Ein hervorragendes Interesse hat das Relief
durch den Rest der Inschrift (bei F. v. Duhn iF 68, wo
jedoch in der 2. Zeile nach dem Steine zu lesen its AP^
wonach der Vatersname ebenfalls mit 'Apx. .. anling). Bilder
verwandter Gottheiten im Heiligtum einer andern zu weihen
ist nicht ungewöhnlich. Die mit der Datirung nach Askle-
piospriestern versehnen Weihgeschenke waren nach den er-
haltnen Basen offenbar sehr verschiedenartig. Es darf uns
nicht allzusehr wundern die Chariten im Bezirke des Heil-
gottes und doch wahrscheinlich an letzteren selbst geweiht
zu sehen Für ein näheres Verhäitniss derselben zu Askle-

* Die Gesammthoehe 0;56, die Breite 0,70. Die Zusammengehoerigkeit der
Stücke ist zweifellos, obwohl sie nicht direct aneinander schiiessen ( sie waren
verbaut).
2 Der «unkenntliche Gegenstand « in der Hand von n. 64 (F. v. Duhn) ist
deuttich die Hand der links folgenden Genossin. Die Worte (ebda zu Anfang
der Beschreibung) «von einer ganz unbedeutenden Erhoehung herunter« sind
unrichtig, indem die Scene auf ganz ebnem Boden vor sich geht.
3 Vgl. Jahn Entf. der Europa S. 40.—Auch an das Gedicht des Ariphron V.
8 (Bergk Poetae lyr. 3 S. 1250) kann erinnert werden.
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