Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 230
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ZUR GESCHICHTE DES ATHENISCHEN THEATERS

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An der Fassung der choregischen Inschriften lassen sich die
Wandelungen verfolgen, welche das für die musischen Ago-
nen so wichtige Institut der Choregie in Athen im Laufe der
Zeit durchgemacht hat. Die durch den peloponnesischen
Krieg bewirkte Veränderung der Verhältnisse hatte zur Folge,
dass dieses Institut in Verfall gerieth; es fehlte an Bürgern,
die im Stande oder bereitwillig waren die Lasten und Kosten
einer Choregie zu übernehmen; man sah sich daher genöthigt
die Zahl der Chöre zu beschränken und zu gestatten, dass
zwei Phylen sich zu einer Choregie vereinigten oder auch
dass zwei Bürger einer Phyle die Choregie gemeinsam über-
nahmen. Auf diese Art behalf man sich eine Zeit lang so
gut es gehen wollte; später ist die Choregie in radicaler Weise
umgestaltet worden. Diese Reform ist bisher meines Wissens
von Niemanden dargestellt worden, und da der jetzige Zu-
stand auch auf andern Gebieten Verwirrung anzurichten droht,
scheint es mir an der Zeit zu sein die Sache klar zu stellen.
Die einzige Quelle, welche hierfür zu Gebote steht, sind die
choregischen Inschriften und einige Ehrendecrete.
Nach der ursprünglichen Vorstellung trug in den musi-
schen Agonen nicht der Chor oder Chorführer und noch we-
niger der Chorlehrer oder Dichter den Sieg davon, sondern
die Phyle, welche den von den Richtern mit dem Preise be-
liehenen Chor nebst dem Choregen gestellt und von dem den
Agon leitenden Archon den Didaskalos für jenen zugewiesen

* Die von Keit a. a. 0. S. 83 ft. besprochene metrische Inschrift rührt offen-
bar von einem Privatdenkmat her, woraus sich auch der Fundort des Steines
erktärt. Im ersten Bande des Corpus inscr. Att. ist zwischen den amtfichen und
privaten Weihmschriften der Choregen richtig unterschieden worden.
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