Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 231
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2UR GESCHICHTE DES ATHENISCHEN THEATERS 231
erhalten hatte. Der Choreg, welcher auf seine Kosten den als
Preis verliehenen Dreifuss aufstellen lässt, handelt im Namen
der Phyle und als deren Bevollmächtigter. Diese Auffassung
ergiebt sich mit Nothwendigkeit aus der Fassung der älteren
Choregeninschriften, in denen an erster Stelle und zwar als
Siegerin die Phyle genannt ist (OK-/]!;; svlxx Trxf^mv), an
zweiter Stelle der Name des Choregen (Eopogev/n MsAsTsmvo;
sXPpiiY^)' an dritter Stelle der Didaskalos und eventuell der
Aulet (PCxocT-px-o; sth^xcxs Corpus fnscr. A^. 1 336 = Corp.
?*72scr. Cr. 212 aus dem 5. Jahrhundert; dass die Inschrift
sich auf einen dionysischen Agon bezieht, ist aus dem Fund-
ort zu schliessen). Wenn in einigen Exemplaren auch der
Archon genannt ist, so ist dies nur zum Zweck der Datirung
geschehen*. Der Choreg hat natürlich nie unterlassen seinen
Namen anzubringen, aber später hat die Eitelkeit der Ein-
zelnen es sich an der blossen Namensnennung nicht genügen
lassen: in Inschriften des 4ten Jahrhunderts findet sich der
Choreg an erster Stelle und als Sieger genannt ([XjxpvK Oso-
Xxpou$ 'AYysk'/jQav xopv)Y&v e[Axx] [njxvcho'Af^ 'Axxu.xvAfh Mit-
theil. II 189 aus Ol. 109, 1. 34 4/gV. Ch., und so öfter). In-
dess dies war eine formelle Neuerung, welche auf eine verän-
derte Auffassung des Thatbestandes schliessen lässt, das We-
sen der Sache aber nicht weiter berührt; weitaus wichtiger ist
die von der oben besprochenen abweichende Fassung einer
Anzahl von Inschriften, welche in ihrer Gesammtheit einer
jüngeren Periode angehören. In diesen erscheint an erster
Stelle als Choreg der Demos (6 R-?jgo$ exopiiyE') mit der Dati-
rung nach dem Archon, an zweiter Stelle ist der Agonothet
genannt (xy^voOsTV]; mit folgendem Namen), hieran schlies-
sen sich die Namen der siegenden Phyle, des Didaskalos und

* Die von Stephani Der ausruhende HeraklesS. 228 aufgesteilte und von Keil
a. a. 0. S. 82 gebilligte Ansicht, der Archon sei als der den Agon leitende und
beaufsichtigende Beamte genannt, erscheint auf den ersten Btick ansprechend,
ist aber gegenüber dem in den Choregeninschriften vorliegenden Thatbestand
nicht haltbar.
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