Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 239
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0259
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
ZUR GESCHICHTE DES ATHENISCHEN THEATERS

239

gemeinsam war. Der Stein hat links Rand mit Stosskante,
hier war eine andere grosse Platte angesetzt*. Sicher ist, dass
in der Zeile vor 3u*k[- - - y]5As!.] der Name der siegreichen
Phyle gestanden hat., aber dieser Name ist im Alterthum ab-
sichtlich getilgt worden; wesshalb? Die einzige Antwort hier-
auf ist, dass an der abgemeisselten Stelle eine der beiden
Phylen Antigonis und Demetrias genannt war, welche im
Laufe des Jahres 30 ^ eingerichtet und deren Namen hun-
dert Jahre später von den Athenern in einem Anfalle toller
Wuth auf den Denkmälern getilgt wurden (vgl. z. Co/yn mscr.
11 331). Die beiden choregischen Inschriften gehören
demnach in das Archontat des Anaxikrates.
Es bleiben die beiden choregischen Inschriften der ersten
Fassung, welche man, da sie die Namen von Archonten ent-
halten, die in der Reihe der bekannten Eponymen bis zum J.
292 nicht Vorkommen, für jünger gehalten hat als dieses Jahr.
Die eine derselben ist edirt von Pittakis L'ancMmc S.
91 und von Rangabis Attb'g. 1Mb 976 offenbar nur wieder-
holt (vgl. Keil a. a. ü. S. 76)2. Der Name des Archon soll
'A?tcTKpxo$ sein, aber schon ein Blick auf die Stellung der
Zeilen zu einander erweckt den Verdacht, dass Pittakis den
Namen mit Benutzung vorhandener Reste stillschweigend er-
gänzt habe. Die Herstellung des letzteren wird schwerlich ge-
lingen, wenn der Stein nicht wieder aufgefunden wird. Nicht

1 Von einem aehnlichen Denkmal wie die im Text besprochenen rührt die im
'A87pztov Vt S. 278 mitgetheiltelnscbrift her,in welcherebenfallsdie Siege eines
Knabcn-und eines Maennerchores verzeichnet waren. Die Inschrift hat wie die
des Xenokles die jüngere Fassung und steht jenen unzweifeihaft zeitlich nahe. Als
Aulet des Maennerchors ist darin genannt Etxudivtog, derselbe Name
hat vielleicht auch in der zweiten Inschrift des Xenokles gestanden. Die Praxis
für die dramatischen und lyrischen Siege je ein gemeinsames Denkmal zu er-
richten kann erst aufgekommen sein, seitdem die Aufstellung der Dreifüsse dem
Agonotheten oblag, der auf diese Weise seine Ausgaben vereinfachte.
2 Die Art, wie Rangabis die Inschrift abdruckt (mit Inschriftentypen) ist
allerdings so, dass man auf eine eigene Abschrift schliessen sollte, aber das
Fehlen jeder Angabe über den Fund- oder Aufbewahrungsort und die Maasse
des Steines beweist, dass Rangabis den letzteren nicht gesehen hat.
loading ...