Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 260
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WEIHINSCHRIFT AUS MARATHON

!n der Nähe liegen Bausteine aus schlechterem Material her-
um, ein Theil steckt noch halb in den Erdwänden des Fluss-
bettes; ferner findet man alte Gräber und u. A. ein Stück eines
mittelalterlichen Bogenbaus. Auch wurde hier ein Fragment
einer voreukleidischen Inschrift gefunden, von welcher leider
nur wenige Buchstaben entziffert werden konnten. Dies Frag-
ment fanden wir bereits in Marathon in der Wohnung des Di-
marchen; der andere Stein ist mittlerweile vielleichtauch nach
dem Dorfe geschafft worden.
Die Inschrift steht auf der vorderen Breitenfläche des Steins.
Die vier ersten Zeilen sind bis auf das letzte Wort in grossen
schönen Buchstaben ausgeführt, die vier andern dagegen und
das letzte Wort der vierten Zeile in halbsogrossen. Die feine
Kruste, welche sich über die ganze Fläche gelegt hat, sowie
die Ungunst der Verhältnisse hinderte uns in dem letzten Theil
der Inschrift jeden Strich sicher zu stellen, namentlich beim
2ten und 3ten Buchstaben der 5ten und bei denselben Buch-
staben der vorletzten Zeile; schwer lesbar ist auch der erste
Theil von dem Namen des Trikorysiers*.
Keiner von den in Diavolaki liegenden Steinen zeigt die ge-
ringste Spur davon, dass sie etwa vom Wasser weiter herge-
tragen seien; dies und ihr nahes Zusammenliegen macht es
mehr als wahrscheinlich, dass sie zu einem hier gelegenen und
durch Überschwemmung eingerissenen und allmählich immer
mehr verdeckten Bau gehörten, von welchem grössere Ausgra-
bungen gewiss noch andere Theile zum Vorschein bringen
würden. Der Bau war offenbar Tempel und Temenos des Dio-
nysos; sein Vorhandensein ist bereits aus C. 7. A. 77 601, ei-
nem in Vergleich zu unserer Inschrift wahrscheinlich etwas
jüngeren auf der athenischen Akropolis gefundenen Dekret der

* Die Inschrift ist inzwischen von Hm. Sp. Lampros in der'Ey^pep't; v. 14.
September und im tlapvasco; II S. 727 herausgegeben worden. Derselbe giebtin
der 1. Z. TETPATOAEE^ (das tetzte E in punktirten Linien) und Z. 7 ^1-
AOKAH$ mit der Andeutung, dass der 2. 3. 7. und 8. Buchstabe unsicher

seien.
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