Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 261
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WEIHINSCHRIFT AUS MARATHON

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ionischen Tetrapolis, bekannt. Der Inhalt dieser letzteren In-
schrift bezieht sich vermuthlich auf die Angelegenheiten des
Tempels, seines Besitzes oder der Priesterschaft; doch mag es
erlaubt sein darauf hinzuweisen, dass die oben nachgewiesene
muthmassliche Stelle des Dionysosheiligthums von Kato Snli
(Trikorythos), Vranä (Probalinthos) und Marathona( Mara-
thon), also von den 3 Hauptdemen der Tetrapolis (vgl. Mitth.
I S. 67 fg.) etwa gleich weit Stunden) entfernt ist*. Die
Worte der athenischen Inschrift sp. Mxpx6[mvi ev vm
Tsu.svet Tou Atovjucou zeigen, dass das Dionysosheiligthum zum
Demos Marathon gehörte, in dessen Gebiete es also auch ohne
Zweifel lag, doch kann uns die jetzt bekannt gewordene Lage
des Heiligthums noch nicht bewegen, in seiner unmittelbaren
Nähe nun auch Marathon seihst zu suchen. Auch früher war
es schon klar, dass der grösste Theil der Ebene und zunächst
derjenige, auf den sich das Seitenthal von Bei-Marathona öff-
net, zum alten Hauptdemos der Tetrapolis gehörte. Meine Ab-
schrift des neu gefundenen Steins lautet:
TETPAPOAEt^TOtA.u
NY^QtAYEOE^A/^
AY€AN!A^KAAA)OYTP)K
OPY^tO^HPXE/^ lEPoroioi
<&AN0AQP05MAPA0nN!05
A\EAAfgnr05TP)H0PY5]05
<I>. .N0KAH50I N AI05
A NT! K PATH 5 P PO BAA! $! 05
d. h.

i Der Cult des Dionysos in der Tetrapolis scheint nicht so alt und gleichsam
ursprünglich zu sein wie der des Herakles und des Apollon. Xuthus kommt aus
der Tetrapolis den Athenern gegen die Thraker in Eleusis zu Hülfe und bekämpft
die thrakischen Chalkodontiden von Chalkis; die Ueberlieferung gibt in diesem
Falle eine gewiss richtige Andeutung des feindseligen Gegensatzes verschiede-
ner Stämme und damit zugleich ihrer Culte. Ueber die Ableitung des Dionysos
von den Thrakern vgl. Wachsmutli, die Stadt Athen i. Alt. I S. 400 fg. Philo-
choros hatte im 2ten Buche seiner Atthis ausführlich vom Dionysosculte ge-
handelt und die Ankunft des Gottes in Attika unter Amphiktvon gesetzt. Vgl.
Boeckh Ges. Kleine Sehr. Bd. V S. 407.

MITTH. D. ARCH. INST. III.

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