Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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RELIEF AUS ARGOS

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die Proportionen*,, die charakteristische Anlage der Ernst und
des Bauches mit den besten der statuarischen Copien in Ue-
bereinstimmung linden, dass aber der Kopf, soweit die leider
gerade hier eingetretne Verstümmelung erkennen lässt, keines-
weges jenen uns sowol von den Statuen als von zahlreichen Ein-
zelköpfen bekannten strengen Typus festhält, sondern rundli-
che Weichheit an Stelle der magern scharfen Behandlung, an
Stelle des harten vortretenden Untergesichtes setzt. Wir sehen,
das Relief will nicht, wie die Statuen, eine stilistisch genaue
Copie geben, es ist vielmehr ein lebendiges Product seiner Zeit,
in welcher der von Polyklet geschaffne Typus in der ganzen
Schule noch der Kanon war, obwol man im Einzelnen bereits
das Harte und Strenge des Meisters aufgegeben hatte. Dies
würde passen, wenn wir das Relief, wofür der ganze Charakter
der Arbeit zu sprechen scheint, ungefähr um die Mitte des
vierten Jahrhunderts ansetzten. Freilich durch analoge Arbei-
ten aus Argos selbst können wir diese Ansetzung nicht begrün-
den; denn es liegt dort bis jetzt noch kein andres Marmorre-
lief vor, das sich nach Zeit und Stil vergleichen liesse. Da im
Gebiete von Argos kein Marmor bricht und derselbe einge-
führt werden musste 2, so bediente man sich dort zu Relief-
compositionen überhaupt vorwiegend des einheimischen Kalk-
steins. In diesem harten und schwerzubearbeitenden Materiale
erhielt sich dann auch lange ein merkwürdiger ganz flacher
Reliefstil und damit verbunden gewisse Eigenthümlichkciten
älterer Typen wie die geraden Faltenzüge 3. Anders ist der Stil
unsres Marmorreliefs; die etwas weiche Fülle, die wir oben
im Gesichte des Jünglings bemerkt, zeigt sich noch mehr im
Körper des Pferdes, namentlich am Obersclienkel, den Weichen

1 Nur der Oberkocrper scheint im Verhättnisse tätiger als sonst.
2 Der Marmor unsres Retiefs ist feinkoernig mit gelblicher überdache; zu sü
cherm Urtheite über seine Provenienz konnte ich nicht geiangen. Ueber häufge
Anwendung des Pentetischen in Argos s. u.
3 Vgt. Exped. de la Moree 11, 61, 1 wo die Inschrift mit gebrochnem Atptia
(A) einen terminus post quem gibt, und andere noch unpublicirte Retiefs.
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