Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 290
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0312
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
290

RELIEF AUS ARGOS

und der Brust, verbunden mit einer eigenthümiichen Fornm
gebung, die im vollen Gegensätze stellt zu der in der ganzen
Attischen Kunst des fünften und vierten Jahrhunderts aus-
nahmslos typischen Pferdebildung. Alle Formen sind unfei-
ner, wenger edel—man vgl. namentlich Kopf Brust und
Beine — und weichlich fleischiger entgegen der straffen Eleganz
der von idealerer Naturauffassung zeugenden Attischen Pferde,
Der Grund so verschiedner Bildung kann schwerlich nur in
der Individualität unsres Reliefkünstlers gesucht werden; gera-
de der Gegensatz der Attischen Kunst, die in so vielen hunder-
ten von Darstellungen immer demselben Typus folgt, zeigt
dass auch hier wahrscheinlich eine Schuleigenthümlichkeit
zu Grunde liegt. Dies wird bestätigt durch das Pferd des in den
Fels gehaunen Heros heim Theater, das von ähnlicher Bildung
ist. Ein unfeinerer doch mehr realistischer Pferdetypus scheint
also der Argivischen Kunstschule eigen gewesen zu sein, und
ohne Zweifel geht dieser Unterschied von der Attischen Kunst
auf ältere Zeiten zurück. So wird es nicht mehr zufällig er-
scheinen w enn schon in der ersten Hälfte des fünften Jahrhun-
derts sich Kalamis durch edle Pferdebildung grossen Ruhm
erwirbt, während des Dionysios von Argos Stute in Olympia
w egen ihrer hässlichen Naturw ahrheit bekannt war, welche die
Hengste reizte (Paus. V, 27, 3).
So wichtig unser Relief nun nach so vielen Seiten ist, so hilft
es uns doch nur w enig zur Beantwortung der Frage, w elches
die ursprüngliche Bedeutung der Polykletischen Doryplioros-
statue war. Aus der Bedeutung des Reliefs dürfen wir keines-
weges auf die der Originalstatue schliessen; aber selbst erstere
istnicht einmal sicher. Man denkt zunächst an ein Grabrelief,
wofür die Darstellung keinesweges ungewöhnlich wäre; man
erinnere sich an das Werk des Praxiteles auf einem Grabmale
zu Athen (Paus. 1, 2,3), das einen Krieger darstellte
-nxoscT-yixoTx, und ferner an das Grab an der Heerstrasse in
Achaia nicht fern von Aigeira und nahe dem Flusse Krathis,
das ein zu Pausanias Zeit fast verblichnes Gemälde (offenbar
auf einer Stele) zeigte mit einem Manne der ebenfalls neben
loading ...