Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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RELIEF AUS ARGOS

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Semem Pferde stehend dargestellt war (Paus. 5 H, 25,Id). Xm
sammen hängt hiermit auch otfenhar die weit bekanntere Art,
den Verstorbnen reitend auf dem Pferde selbst vorzuführen.
Diese für Attika schon in sehr alter Zeit nachzuweisende Dar-
stellungsweiseA wird später, nach dem vierten Jahrhundert
sehr häutig. So ist es gerade ein Argiver, dessen kleine hymet-
tische Stele im Kerameikos zu Athen mit dem ganz dachen
Relief eines mit der Lanze bewaffneten Reiters geschmückt
ist2. Dass sich diese Darstellung indess, aus Gründen die hier
nicht verfolgt werden können, ganz besonders für die als He-
roen verehrten Todten festsetzte, ist bekannt und zeigt z. R.
das Attische Relief vom Südahhange der Burg (etwa aus dem
zweiten Jahrhundert v. Chr.) mit der Inschrift Osd3[m]po;
und einem die Lanze schulternden Reiter; dann die zahllosen
sog. Reiterreliefs in Böotien, Nordgriechenland und Kleina-
sien. Indess auch in Argos selbst stellt das Felsenrelief heim
Theater (s. Curtius Peloponnes 11, 354) ohne Zweifel einen
Heros darA Und auch von dem andern Typus, wo das Ross
vom Jünglinge nur geführt wird, linden wir in der Nähe, in
der Thyreatis, ein Votivrelief an einen heroisirten Verstorbnen,
freilich der Arbeit nach erst aus dem zweiten nachchristlichen
Jahrhundert A So kann denn auch unser Argivisches Relief in

* Hierüber wird demnächst von andrer Seite gehandelt werden.
2 Vgt. Arch. Ztg. 187t S. 18 n. 29 - die erste hasta des M zu Anfang der ersten
Inschriftzeiie ist noch erhalten.
2 Zwei viereckige Vertiefungen, die zu beiden Seiten vor dem Retief in den
Felsen gearbeitet sind, moegen sich auf Cuttvorrichtungen beziehen.
4 Kekule Theseion n. 232. Auch die Form ist die des Votivretiefs. Attische
Vorbilder sind nachgcahmt. — Im Uebrigen bemerke ich dass alle von mir bis
jetzt theits an Ort und Steile theiis in Athen gesehnen Werke aus Lukü der
Roemischen Zeit und woi hauptsächlich dem 1. Jahrh. n. Chr. angehoeren. Gleich-
wot zeigen sie (um! namentlich {die Reliefs) einen durchaus eigenthümüchen,
ebenso leicht zu erkennenden als schwer zu beschreibenden Slil, der ganz eben-
so in dem bekannten Relief der Telete (Kekule Theseion n. 284) hervortrilt, dem
namentlich ein Grabrclief in Lukü selbst sehr verwandt ist, das, von Giebel und
Anten eingefasst, einen bärtigen Winzer zeigt, der eine Weintraube und ein
Rebmesser hält. Von Statuen in Lukü sei hier wegen der Seltenheit eine lebens*
grosse thronende Athena (ohne Kopf) genannt.
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