Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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RELIEF AUS ARGOS

jugendliche Bildung des Pan betrifft., so habe ich schon früher
nachgewiesen i, dass dieseibe gerade an mehreren Köpfen mit
unverkennbar Peloponnesischem, specieii Argivischem Typus
in Verbindung steht.
Doch auch zu andern jugendlichen Gottheiten scheint diese
Schuie den Kanon verwendet zu haben; eine Bronce aus Süd-
frankreich arcAcoL 1876 Tf. i8) steiit höchst wahr-
scheinlich Hermes dar; sie weicht vom Doryphoros nur in der
Haltung der Arme ab., indem der rechte Vorderarm mit einer
redenden Handbewegung vorgestreckt und die Linke gesenkt
isk, in der ein Stabende wol vom Kerykeion herrührt. Da der
Kopf noch ganz den strengen Typus des Originales trägt; so
dürfen wir diese treffliche Bronce zeitlich sogar noch vor un-
sern Pan setzen.
Wie viel andern Werken dieser Kanon zu Grunde gelegen
haben wird; können wir nach diesen drei Beispielen uns un-
gefähr vorstellen. Auch jugendlich kräftige Götter scheute man
sich also nicht; einfach nach diesem Schulvorbilde zu gestal-
ten; ohne sich dabei etwa durch die Forderungen ältrer Tra-
ditionen in den Götterbildern oder durch den individuellen
Charakter des Gottes zu weiteren Modificationen bestimmen
zu lassen; als zur Veränderung der Attribute. — Nichts könnte
ein schlagenderes Licht auf die Eigenart der Polykletischen
Schule werfen als diese Thatsache.

* Annali 1877 S. 201 f. Die hier von mir S. 202 n. 1 erwaehnte Statuette aus
dem Peioponnes steüt, wie ich bei inzwischen erfolgter eigner Anschauung be-
merkte, keinesweges Pan dar; der Jüngling hat vielmehr kurze Stierhoerner
und aufgeregte durchaus portraetartige Gesichtszüge. Eine andere vorzügliche
Broncestatuette, die ich an der Stelle von Theison am Lykaion im Privatbesitze
sah, zeigt ebenfalls einen Jüngling mit kurzen Sticrhoernern und einem Gesichte
von cigenthümlicher Haesslichkeit, mit strengen Zügen und vortretendem Un-
terkiefer. Seine Stellung ist aehnlich der der Münchner Alexanderstatue (Gly-
ptoth. n. 153 ); er stellt das linke Bein auf eine Erhoehung und legt den 1. Arm
darauf (die Hand hielt etwas Rundes; einen Speer?); die Rechte stützt er seit-
waerts in die Hüfte. Der Koerper und namentlich die Beine sind auffallend ma-
ger doch fein modellirt.—!ch zweifle nicht dass die beiden Statuetten sich auf
Koenige der Diadochenzeit beziehen.
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