Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 295
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RELIEF AUS ARGOS

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Wir wissen schon aus den literarischen Quellen, welch fe-
sten Kreis die Schulfolge des Polyklet. bildet und wie der letz-
tere, in ganz andrer Weise als Phidias, «Schule)) zu bilden
verstand. Dass er in der That den Doryphoros zu Lehrzwecken
verwendete und ihn als Muster für jugendliche Bildungen hin-
stellte, dass dieser Typus endlich, von einenfGeschlechte der
Schüler zum andern fortgepflanzt, sich weit ins vierte Jahr-
hundert herein in unveränderter Wirksamkeit erhielt, dies zei-
gen uns die behandelten Monumente unwiderleglich. Das Gute,
das dieser Schulzucht ohne Zweifel eignet, ist allerdings auch
eng mit einer Schwäche verbunden, durch welche die Argi-
vische wieder in lebhaftesten Gegensatz zu der Attischen Kunst
tritt. Es fehlt ihr die Kraft der idealen Schöpfung, die Kraft,
die überkommnen Göttertypen von innen heraus umzubilden.
Wie man hier Götter darzustellen unternahm, zeigen die oben
besprochnen Monumente: man wiederholte einen allgemeinen
Schultypus nur mit den nöthigsten Modificationen. Uehrigens
bestehen fast alle uns literarisch bekannten Werke der Argi-
vischen Schule in Porträts, vorwiegend in solchen der gymni-
scheti Sieger. Auch ist es interessant, dass die wenigstens zu
Pausanias Zeit in Argos vorhandnen Götterbilder entweder ei-
ner sehr alten Zeit* oder erst dem vierten Jahrhundert und
später angehören und dann zu einem guten Theile von aus-
wärtgen Attischen Künstlern gearbeitet sind 2. Auch wird man
sich den Einfluss Attischer Kunst, vor allem in derTempel-
sculptur überhaupt schon ziemlich frühe in Argos wirksam den-
ken müssen 3. ln dieser Hinsicht sind uns namentlich die Mar-

* Derart sind die i;oava von Hermes und Aphrodite, von Artemis, von Dionv-
sos, von Zeus Larisaios und dem mit den drei Augen, ferner die ap^ata ayäX-
p.aia von Artemis, Zeus und Athena und die Dioskuren mit Kindern und Müttern
von Dipoenos und SkvRis.
2 Attisch waren die Leto von Praxiteles, die Hekate von Skopas und der Apol-
lon Lykeios von dem Athener Attaios. — Der marmorne Zeus Meiiichios darf
mit grosser Wahrscheiniiclikeit dem jungem Polyktet zugeschrieben werden
(vgl. G. Loeschcke Arch. Ztg. 1878, 11 ).
3 Die Schüler Polyklets sind zwar fast ausschiiesslich aus dem Pcloponnesc ge-
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