Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 296
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RELIEF AUS ARUOS

morfragmente vom Argivischen Heraion wichtig^; etwas di-
rect mit Polyklet oder mit dem Schmucke des Tempels seihst
sicher Zusammenhängendes lässt sich freilich darunter nicht
nachweisen ; absehend von ganz wenigen und unbedeutenden
archaischen und zahlreichen Stücken kleinrer männlicher Fi-
guren strengem Stiles hebe ich hier nur hervor die Fragmente
zweier Jünglingsköpfe (linke Hinterkopfhälfte mit längerm
Haar und Binde, und rechte Kopfhälfte mit Gesicht und kur-
zen Haaren); beide sind aus Pcntelischem Marmor und können
der Arbeit nach kaum später als Anfang vierten Jahrhunderts
sein; gleichwol zeigen sie, namentlich der letztere, statt des
Polykletischen Fntergesichtes den völlig Attischen Typus etwa
vom Ende des fünften Jahrhunderts 3. Erinnern wir uns nun
wie auch unsre Panstatuette und noch mehr das Relief den
strengem Pnlykletischen Gesichtstypus bereits aufgegeben ha-
ben, so sehen wir, wie man einerseits relativ so schnell die
vom Meister geschaffne Gesichtsbildung umwandelt, und an-
drerseits die Proportionen und Motive, den eigentlichen Ka-
non, um so länger festhält.
ln der Nähe von Argos, in der Thyreatis, können wir
ebenfalls einen starken Einfluss Attischer Kunst gegenüber ein-
heimischen Elementen beobachten. Von der Stadtruine des sog.
Helleniko, wie angegeben wird aus den Resten eines tempelar-
tigen Gebäudes, stammt ein jugendlicher männlicher Ideal-

bürtig; doch andrerseits gab es eine Schute in Athen, die des Kritios, die auch
Männer aus dem Peloponnes zu ihren Vertretern zähite; und gerade ein sotcher,
Pison aus Kaiauria arbeitet mit den Argivern am grossen Lakedämonischen Weih-
geschenk um Ot. 93, 4.
1 Ich meine nicht das bekannte weibüche Koepfchen sondern die zahtreichen
In einer Kiste in der Demarchie zu Argos befindtichen Stücke, von G. Loesch-
cke und mir im Frühjahr d. J. dasetbst vorgefunden und untersucht.
2 Beachtung verdient auch, dass die Sima des Tempels ebenfatts von Pen-
telischem Marmor ist und in ihren Ornamenten durchaus von Attischen Wer-
ken, namentlich dem Ercchtheion abhängt, dem sie in der Ausführung jedoch
nicht von Weitem nahe kommt.
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