Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

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RELIEF AUS AIIGOS

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köpf* von Pentelischem Marmor mit kurzen nur angedeuteten
und der Malerei überlassnen Haaren. Die vorzügliche Arbeit.,
die nicht später als Anfang des vierten Jahrhunderts sein mag,
der Gesichtstypus mit den ausdrucksvollen tiefliegenden Au-
gen zeigen unverkennbar den Attischen Einfluss, ln älterer
Zeit herrschte jedoch in dieser Gegend durchaus die Sparta-
nische Kunst. Dess Zeuge ist uns ein in einem benachbarten
Dorfe (Meligu) gefundnes Köpfchen 2 eines bärtigen Mannes von
demselben bläulichen Marmor, den wir in den altspartani-
schen Reliefs angewendet sehen. Der Charakter lässt sich nur
durch eine Vergleichung mit dem Kopfe des Gottes aus dem
bekannten Relief von Chrysapha (Mittheil. 11 Taf. 21) deut-
lich machen, mit dem es Bildung und Stellung der Augen,
Nase, Ohren und die ganze Gesichtsanlage gemein hat, ohwol
es stilistisch etwas entwickelter erscheint A ln Sparta selbst
scheinen Attische Einflüsse in vormakedonischer oder römi-
scher Zeit kaum eingedrungen zu sein. Es wird wol auch kein
Zufall sein, dass gerade aus der Zeit der Blüthe Attischer Kunst
in Sparta so gut wie gar keine irgend bedeutenderen Monu-
mente vorliegend Damit stimmt es überein, dass auch Pausa-

* H. 0,12. Im Privatbesitze im nahen Dorfe Ag. loannis. Der Hinterkopf war
besonders angesetzt. Auch zugehoerige Fragmente von Armen und Beinen sind
vorhanden.
2 H. 0, 065. An demseiben Orte wie der obige Kopf befindtich. —War zum
Aufsetzen auf eine Statuette bestimmt; die Verbindung geschah in sehr primi-
tiver Weise durch einen grossen Broncenaget, der von oben durch den ganzen
Kopf getrieben ist.
3 Haare und Bart sind nur als Masse behandett; jene reichen hinten bis zur
Mitte des Nackens; die iangen herabgezognen Schnurrbartenden Hegen über
dem votten Backenbarte auf. Diese so deutiiehe Bartbehandtung bestärkt mich
darin den männlichen Gott der bekannten archaischen Reliefs aus Sparta als un-
bärtig zu erkennen; dies gilt mit Sicherheit von dem Relief aus Chrysapha n.
7 des Catatogs, ferner n. 10 und 11; an die beiden letztem schliesst sich das Mit-
theil. It, S. 48t erwähnte Relief in Dimitzana an, das ebenso sicher älter als
seine Inschrift und der Reihe der archaischen Reliefs noch zugehoerig ist, als
der Gott unbärtig auftritt. '
4 Der Mitlh. It, S. 325 n. 38.beschriebne Torso hat mit Polvklet jedenfalls
.nichts zu Ihun. —Unter den Reliefs freien Stiles in Sparta ist ohne Zweifel das
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