Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 305
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I. Archaische Kunst.

a. Statuarisches.
ObertheH einer Statue des Apollo.
Skripu (Orchomeuos). Im grossen Hofe des Klosters unter der sich am Südffü-
gei des Kiostergebaüdes hinziehenden Gaierie an die Wand geiehnt in sehr ver-
nachlässigtem Zustande. H. 1,27. Graulicher, boeotischer Marmor. Es fehlen die
Beine von oberhalb des Knies an^ weggebrochen sind ausserdem die Oberfläche
der 1. Hand, ein Stück vorn und hinten an der 1. Schulter, und vorn am 1. Bein,
das untere Ende der Scham. Die Nasenspitze ist sehr verstossen, weniger Augen
und Mund* vom Körper besonders die Parthie um den Nabel. An der ganzen Vor-
derseite hat sich die Epidermis des Marmors schon abgelöst, während auf der Rück-
seite diese Ablösung erst begonnen hat.
Abgeb. Ann. dell'Inst. 1861 tav. d'agg. E, 1. Conze und Michaelis, Rap-
porto d'un viaggio nella Grecia ne! 1860 ib. S. 79 f. Vgl. Vischer, Erinne-
rungen etc. S. 586. Overbeck, Geschichte d. gr. Plastik ^S. 91 Abguss bei Mar-
tinelliCat. n. 202.

Dargestellt ist ein nackter Jüngling mit Vorgesetztem 1. Bein,
auf welchem die Last des Körpers hauptsächlich ruht, denn
die 1. Hüfte steht ein wenig höher als die rechte. Die Arme hän-
gen steif am Körper herab, nur im mittleren Stück von dem-
selben gelöst, die Hände sind geballt. Er hat langes Haar das
hinten in einer breiten Masse bis über die Schultern herabfällt.
Vorn auf der Stirn sind durch in sehr flachem Relief ausge-
führte Spirallinien Löckchen angedeutet, die übrige Masse
des Haares ist durch Quer-und Längs-Einschnitte in lauter
längliche Vierecke getheilt offenbar um den Eindruck gelock-
ten Haares hervorzubringen. Eine um den Kopf gelegte
Binde schneidet gar nicht ins Haar ein, ihre Enden kreuzen
sich, ohne dass ein Knoten angegeben, in der Mitte des hinten
herabfallenden Haarschopfes und verlaufen diagonal nach den
unteren Ecken desselben. Wegen des langen lockigen Haares
wird die mehrfach angezweifelte Benennung als Apollo bei-
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