Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 310
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DIE ANTIKEN SCULPTUßEN AUS BOEOTiEN

folgenden, EinsehniK: ich ntöchte glauben dass derselbe zur Aufnahme einer ar-
chitektonischen Bekrönung (schwerlich zum Anbringen von Kränzen wie Robert
will) gedient hat.
Die Figuren sind oben und unten von einem unten um 0,32, oben um 0,28 vorsprin-
genden Rand eingefasst. Der obere 0,10 dicke schneidet den Ohertheil des Kopfes
derselben weg. Auf dem 0,30 dicken unteren Rand steht die auf die rechte Ne-
benseite übergreifende Inschrift;
p'plas' K'.lÜXm Z] ]3' AEpp.Ut.
Die Namen der beiden Dargestellten sind ausserdem r. und links neben den Figuren
auf dem Reliefgrund noch einmal wiederholt; die Buchstaben laufen von unten
nach oben. Neben dem rechten Beine des rechts stehenden Mannes Aepp.uc, ne-
ben dem linkendes links stehenden; KivAo;.
Abgebildet auf Taf. XIV.

Beide Männer sind nackt und unbärtig, und stehen e?i/bce,
nur dass die linke Seite des Dermys etwas zurückgenommen
ist, offenbar weil sonst der Block zur Darstellung der Schul-
ter nicht ausgereicht hätte. Kitylos setzt den rechten, Dermys
den linken Fuss vor. Jeder legt den an der Innenseite befind-
lichen Arm um den Hals des Andern, doch ist diess in äus-
serst ungeschickter Weise zur Darstellung gebracht. Zunächst
sind die nach innen gekehrten Schultern, aus Mangel an Raum,
einfach weggelassen, so dass sich die Figuren mit den Seiten-
flächen der Brüste berühren. Die Arme kommen seitlich zum
Vorschein doch viel zu hoch: die Mitte des Oberarms berührt
den oberen Rand des Reliefs und der Arm scheint ((gleichsam
aus diesem heraus zu wachsen)) (Robert). Die nach aussen
gekehrten Arme hängen steif am Körper herab, von welchem
sie gar nicht gelöst sind, die Hände sind geschlossen.
Die Körperbildung beider Figuren ist nicht nur was das
anatomische Detail betrifft sondern auch in den Verhältnissen
äusserst mangelhaft. Die Schultern sitzen viel zu tief und tre-
ten seitlich zu wenig hervor. Die Brust dagegen ist übermäs-
sig kräftig entwickelt von fast viereckiger Form, und ähnlich
wie beim Apollo von Orchomenos ganz flach, selbst die Thei-
lung ist nicht deutlich zu erkennen. Der Leib ist ebenfalls ganz
flach behandelt, an der sehr schmächtigen Taille sitzen in ganz
unorganischer Verbindung übermässig dicke rundliche Ober-
schenkel. Die Kniescheibe ist dagegen deutlich angegeben.
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