Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 311
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0337
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
DIE ANTIKEN SCULPTUHEN AUS DOEOTIEN

311

über ihr je ein horizontaler scharf gesclmittner Wulst. Am
besten ist die Darstellung des Unterschenkels, mit scharfkan-
tig hervortretendem Schienbein und stark ausladender Wade.
An den Füssen sind die Zehen nicht angegeben.
Der Hals ist zu lang und setzt unmittelbar am oberen Rand
der Brust auf; die Form des Kopfes ist sehr breit. Die an den
Aussenseiten erhaltenen Ohren sitzen zu hoch. Um den Kopf
scheint eine wulstige Binde gelegt, deren unterer Contur scharf
eingeschnitten ist. Das Haar ist hinter die Ohren gestrichen
und bildet je vier gewundne Locken, von denen je zwei brei-
tere vorn auf die Brust herabfallen bis beinahe zu deren unte-
rem Band, während je eine schmalere und längere über den
Bücken herabfallende seitlich sichtbar wird.
Obgleich die Figuren im höchsten Belief gebildet sind, so
sind die hervortretenden Theile doch nirgends vom Relief-
grund gelöst sondern eine verbindende Masse stehen gelassen
was zum Theil übrigens wohl in dem sehr weichen Materiale
seinen Grund hat.
Gfrabstele des Cfathon und Aristobrates aus Thesp!ae.
Athen,Nationalmuseum an der Patissia-Strasse.
Gefunden nach dem Bericht von Stamatakis 'AOyjvonov IV (18*3) S. 103 f. um 1863
dicht bei dem 10 Minuten südiich von Thespiae geiegnen Erimoktisi der Hag.
Barbara als Deckpiatte eines Grabes aus christiicher Zeit. Nachdem es iange an
der Fundstätte selbst geiegen nahm es ein Hirt mit nach seinem Hause in Eri-
mokastro, und verkaufte es später an einen Krämer in Vagia (zwischen Eri-
mokastro und Theben) wo es der damalige Ephoros der Alterthümer in Nordgrie-
cheniand A. Dimitriadis fand. Auf seinen Bericht entsandte die archaeologische
Geseilschaft Herrn Stamatakis dorthin und dieser veranlasste, nachdem er eine
leider vergebiiche Nachgrabung an der Fundstätte angestelit, um den fehienden
oberen Theii des Reiiefs zu finden, die Ueberführung des Fragments in die Samm-
lung zu Theben. Von dort wurde es nicht iange darauf nach Athen und vor kurzem
in das Nationai-Museum gebracht, wo seine öffentliche Aufsteliung bevorsteht.
H. 1,03, B. 0,13, D. 0,10. H. der Figuren soweit sie erhaben 0,82. Reiieferhe-
bung 0,0". Pentelischer Marmor. Die erste Nachricht von dem Reiief gab Kai-
bei, Hermes VIII (18*4) S. 41* f. n. 9, der es noch in Erimokastro gesehen
hatte; vgi. Kumanudis und Stamatakis 'A6yjvatov IV (1873) a. a. 0.; Robert,
Arch. Ztg. VIII (1873 ) S. 131 f Die Inschrift noch bei Kaibei, Epigr. gr. n. 484.
Abgeb. auf unsrerTaf. XV nach einem Gipsabguss von Martineiii im berliner Museum.
loading ...