Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 314
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DIE ANTIKEN SCULPTUHEN AUS BOEOTIEN

eines aufgemalten Kymation erhalten sind; darüber ein breiterer (0)10), glatter
Streifen, an dessen unterem Rand ein schmaler Maeander aufgemalt war (vom
oberen Rand ist nur ein kleines Stück in der Mitte erhalten). Unten ist die Stele
unvollständig, die Bruchlinie schneidet ungefaehr die Mitte der Figur. Ausserdem
fehlt die linke Ecke der Bekrönung. Yom untern Bruchrand bis zur 1. Hand der
Figur ist ein dreieckiges Stück der Reliefoberllaeche weggehauen, an der Spitze
desselben ein kreisrundes Loch durch die ganze Platte gebohrt. Yerstossungen sind
noch an der linken Schulter und am Haar der Figur, das ganze Gesicht ist sehr
verscheuert.
Auf dem Reliefgrund seihst, r. vom Kopfe der Figur ist in sorgfaeltigen etwas schraeg
nach oben laufenden Buchstaben der Name des Dargestellten beigeschrieben. Hin-
ter dem 0 ist eine Yerletzung des Steines. Ich bezweifle aber, dass dort noch ein
Buchstabe stand, weil die verstossne Stelle nicht gross genug ist, um das voraus-
zusetzende % (wenn dies anders die Grösse der übrigen Buhstaben hatte) ganz zu
bedecken.
Es bleibt also ungewiss, ob 'Ayciatvo;* oder der Genitiv, 'Ayctcn/to, zu lesen ist.
Agasinos steht im Profil nach rechts, bekleidet mit einem
Mantel, welcher die r. Schulter frei lässt und dessen Zipfel,
über die linke geworfen, am Rücken herabfällt. Er stützt sich
mit vorgebeugtem Oberkörper auf einen langen, knotigen Stock,
dessen oberes Ende er nahe der Achsel mit der r. Hand um-
fasst. Der herabbäugende r. Arm ist in den Mantel gewickelt,
die jetzt fehlende Hand lag gewiss ebenfalls am Stock. Der
Kopf ist nicht gesenkt und sein oberer Contur schneidet in
die Deckgliederung ein.
Die Haltung hat noch etwas Steifes und Gebundnes. Doch
sind, trotzdem die Oberfläche des Reliefs sehr flach gebalten
ist, die Muskeln des Halses und Armes deutlich und richtig
angegeben. Auch die Faltengebung zeugt von Verständniss.
Die einzelnen Falten verlaufen nicht mehr gradlinig und sind
entsprechend dem verschiednen Wurf des Gewandes verschieden
behandelt (vgl. die grossen Falten von derl. Schulter zum Glu-
taeus, die naheaneinandergerückten am 1. Arm und die überden
Rücken herablaufenden). Das Auge hingegen ist noch nach alter

* So Best Girard: «te ^ Hnat est efface." Dersetbegiebt an dass in den Buch-
staben "traces de couteur rouge" erhalten seien, ich habe davon am Originai
nichts bemerkt.
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