Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 316
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DIE ANTIKEN SCULPTUREN AUS BOEOTIEN

rea Ende etwa 2 Buchstaben fehlen, da die r. Ecke der Leiste weggebrochen ist
(am Anfang fehlt nichts).
Von der Couze-Michaelischen weicht unsere Lesung nur in der Form einiger Buch-
staben ab. Der erste von !. ist ein deutliches Alpha, dessen Schenkel nur nicht
ganz zusammenstossen; ebenso schwebt bei den beiden ersten Ny der dritte Schen-
kel in der Luft. Bei dem ersten Epsilon in dem Worse ^ctSEcQs ist die Horizon-
talhasta nach oben ein klein wenig über die obere Querhasta hinaus verlaengert:
Eigenthümlichkeiten die sich wohl aus der Art und Weise wie die Inschrift ganz
Hach, aber in scharfen Zügen (mehr nach Art der Bronce-Inschriften) in den harten
Stein geritzt ist, erklaeren. Das Rho hat die Tollere Form P. Die Lesung ist da-
nach unzweifelhaft folgende:
'AX^vmp o N&^o; <&XX' ?oI3Ea[9s].
Bis auf den Namen des Künstlers nach KirchhoC. Gegen dessen Lesung [Os]X^vmp
statt 'AX^vmp haben Michaelis und Conze a. a. 0. mit Recht opponirt U Unten
zeigt die Stele endlich noch einen Zapfen von der Dicke des Schaftes und der
Breite des Relieffeldes, zum Einlassen in eine Basis, auf welcher wahrscheinlich
der Name des Todten verzeichnet war.
Die Erhaltung des Reliefs ist vortrefflich, verstossen sind, abgesehen von den Sei-
tenraendern, von der Figur nur die Nase, der Zeigefinger der 1. Hand und eine
Stelle am oberen Theil des Kopfes.

Ein bärtiger mit einem die r. Schulter freilassenden Hi-
mation bekleideter Mann lehnt sich (im Profil nach rechts)
auf seinen Knotenstock. Der Oberkörper ist vorgebeugt der
Kopf gesenkt. Mit der 1. Hand fasst er die Mitte des Stockes,
und hält in der ebenfalls herabhängenden Rechten eine Cicade,
nach welcher ein schlankgebauter Jagdhund mit spitzem Kopf
hinaufspringt. Die Last des Körpers ruht auf dem rechten,
nach aussen gedrehten Bein, dessen Fuss in der Verkürzung
dargestellt ist. Das entlastete 1. ist über jenes gelegt und ruht
nur mit den Zehen auf. Der Kopf ist mit einem enganlie-
genden Käppchen 2 bedeckt unter welchem kurze schlichte
Haare hervorquellen.

* Mit Unrecht hält an der Lesung [OejX^vtop fest Kaibel Epigr. gr. n. 1098.
2 So nehme ich mit Friederichs a. a. 0. an, während Conze u. Michaelis im Rap-
porto in demselben nichts als den oberen Theil des Haares sehen, welcher nur
durch Bemalung angegeben gewesen und durch eine Binde von dem unteren
plastisch angegebnen getrennt sei. Auch in den «Beiträgen z. G. d. Pi." hält
Conze an dieser Ansicht fest.
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