Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 323
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DIE ANTIKEN SCULPTUREN AUS BOEOTIEN

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rechten Arm fast ganz weggebrochen ist. Es fehlt die rechte
untere Ecke mit den Füssen des Mannes.
Motive und Arbeit des Erhabnen sind vortreffhch und wei-
sen in die beste Zeit (viertes Jahrhundert).
Erimokastro M. 1. —X. 1,16, Br. 0,90, D. 0,13. Relieferhebung 0,13.
Kalkstein.
Nach der gütigen Mittheilung des Herrn Stamatakis wurde das Relief 1869 an einem
'AvanXuMooa genannten Ort, n. w. von den Ruinen des alten Thespiae, wo
man eine Reihe von Gräbern entdeckte, gefunden. Es diente, vollständig erhalten
aber auf dem Gesicht liegend, als Deckplatte eines späteren Grabes und wurde
hei der Auffindung selbst, da man es für eine einfache Steinplatte hielt, in 3 Stücke
zerschlagen. Auf dem oberen Rand stand, links von dem Kopf der Frau, die In-
schrift :
Z Q T Y P A
darunter auf dem Relieffeld selbst;
E n ! n P A E n ent npxüm.
Herr Stamatakis versichert ausdrücklich, dass die Buchstaben der zweiten Inschrift
mit Häkchen versehen waren, die Inschrift also später hinzugefügt ist.
Vgl. Decharme, Arch. des miss. sc. 2^ Serie t. IV S. 329 n. 32 wo die zweite
Inschrift mit denselben Buchstabenformen gegeben ist wie die erste.
Seitdem ist das Stück mit den Inschriften verloren gegangen und auch sonst das Re-
lief an mehren Stellen muthwillig verstümmelt worden.
Eine jugendliche Frau sitzt nach 1. gewandt auf einem
zierlichen, mit Kissen belegtem Sessel ohne Lehne. Sie ist be-
kleidet mit feingefaltetem, hochgegürtetem und mit kurzen
Aermeln versehenem Chiton und einem Obergewand, dessen
einer Zipfel vorn über die linke Schulter herabfällt während
der andere, von ebenda hinten herumgezogen, so dass der
rechte Arm frei bleibt, den Schooss und die Beine bedeckt.
Die mit Sandalen bekleideten Füsse ruhen auf einem Schemel.
Sie stützt die linke Hand auf den Sitz, der Oberarm ist mit einem
Armband geschmückt, die erhobne Rechte hielt einen Vogel
(von dem nur der Schwanz erhalten ist) nach welchem ein vor
ihr stehender nackter Knabe mit beiden Händen griff. Der-
selbe ist nur bis zur Brust erhalten, darüber der Contur eines
erhobnen Armes. Der fast ganz vom Grunde gelöste Kopf der
Frau ist nach dem Knaben zu gesenkt. Enter ihrem Stuhl be-
findet sich ein viereckiger Kasten, auf welchem eine doppelt
zusammengefaltete Rolle liegt.
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