Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 344
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DIE ANTIKEN SCULPTUREN AUS BOEOTIEN

Oben Giebel in Relief, im Felde ein Kalathos. Die als Pilaster von der gewöhn-
lichen Form gebildeten Seitenränder des Relieffeldes sind an der Vorderseite je mit
einer B!umenguir!ande geschmückt, weiche oben mit einem Bande an einem Nagel
befestigt ist während sie am unteren Ende in zwei frei herabhangende Bandschiei-
fen ausgeht. Die auf dem Pfeiier zur R. befindliche Guiriande ist ganz verstossen.
Auf den Pfeiiern ruht ein doppelter Gebaelkstreifen, zwischen diesem und dem
Giebel bleibt ein breiter Streifen frei, auf welchem die Inschrift:
E fl 1
AnPQMHTPQgisic
'Ent Amptn

Mädchen mit r. Standbein c/t /ücc. Sie trägt einen Chiton
poderes mit bis zu den IÄnieen herabreichendem Ueberfailund
kurzen Aermeln, darüber einen zweiten kurzen, nur bis zur
Mitte der Oberschenkel reichenden Chiton und über diesem
noch ein von der linken Schulter quer über die Brust laufendes
Löwen-(oder Panther-) Fell dessen Kopf vorn an der 1.
Schulter liegt. Die Filsse sind mit Schuhen bekleidet. Mit bei-
den Händen häit sie quer vor der Brust einen Stab, so, dass
die herabhängende L. das untere Ende, die zur Brust erhobne
R. die Mitte desselben fasst. Das obere Ende ist verstossen,
so dass die Bedeutung des Stabes unklar bleibt. Vor dem Ori-
ginal glaubte ich einen Bogen zu erkennen, dessen unteres
Ende umgebogen; auch die von Herrn F. Thiersch vor meinem
Besuch von Tanagra gemachte Skizze lässt dieses Umbiegen
des unteren Endes erkennen. Doch möchte ich die Möglich-
keit, dass ein Thyrsos dargestellt sei, offen halten. Gegen
die Annahme, dass das Mädchen mit den Attributen der Ar-
temis dargestellt sei spricht auch die lange, im Uehrigen un-
gewöhnliche, Bekleidung. Für eine Bakchantin w ürde sie bes-
ser passen. Das Gesicht ist mehrfach verstossen, die Nasenspitze
w^eggehrochen; zu beiden Seiten des Kopfes hängt je eine Locke
herab.
Ziemlich grobe Arbeit.

* Die Inschrift ist bei Robert nicht ganz genau wiedergegeben. Der ganze
Name der Mutter ist mit kleineren Buchstaben geschrieben und so auch aüsser-
lich als Zusatz bezeichnet. M und H sind in Ligatur.
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