Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 3.1878

Seite: 413
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1878/0439
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
ME ANTIKEN ^SEULPTCRENAES D0E0T1EN

4!3

vorhergehenden—nm?s die Unhärtigkeit und Nacktheit des
s. g. Amphiarnos im höchsten Grade Anstbss erregen. Einen
Seher dachten sich die Griechen nothwendig als gereiftön Mann.
Als solcher, nämlich bärtig, erscheint denn Amphiaraos auch
auf allen Monumenten* mit Ausnahme von drei ganz spaten:
einem Sarkophag {Gverheck a. a. 0. Yl. 9). einer etruskischen
Urne(ib. 8j und einem Spiegel (Gerhard 1, 78). Für die Deu-
tung eines griechischen Reliefs können diese — den älteren Mo-
numenten, namentlich den Yasenbildem gegenüber—nicht in
Betracht kommen. Hier musste Amphiaraos, so dürfen wir
behaupten^ bärtig und bekleidet dargestellt sein. Dass endlich
die Stellung des s. g. Amphiaraos nicht sowohl ein Erheben,
Zusammenschauern ausdrücke, wie Welcker und Friederichs
wollen, sondern vielmehr die gewöhnliche eines
sei, hat schon Brunn a. a. 0. S. 204 bemerkt. Wir werden
nach dem Gesagten nicht zögern, die mythologische Deutung
überhaupt aufzugehen und in dem Relief einfach ein Ana-
them eines siegreichen <xTco§^T7)$ sehend
Nach einer Notiz des Theophrast bei Harpokration s. v. &7TQ-
^3cv7)$ war diese Art des Wettkampfes nur bei den Athenern
und den Boeotiern üblich Y Oh dieselbe hei den im Amphia-
"d34$&y- hi oäoi'h pYv. rrsY ?a o.nn -üohtaY-
^ ^ Rnn iad^
^ Vgl. 0. Jahn Arcli. Beiträge S. 40t. Brunn Die philostr. Gern. geg.
K. Friederichs vcrtln (tv. $uppl. Bd. der Jbb. für klass. Philol.) S. 103
p Von, dem herculanensischen Monochrom ist hier abzusehen da seine Deutung
nur auf der Aehnficbkeit mit unserm Relief beruht. tn Betreff des Sarcophag-
uud des Urnen- Reliefs darf übrigens bezweifelt werden ob auf den Originalen
wirklich Amphiaraos unbärtig ist. Eine andre Ungenauigkeit in der Zeichnung
des ersteren vermuthet Overbeck S.150 Anm. t2; beider liehen Aufstellung
konnte der Zeichner leicht den Bart an dem offenbar sehr verstossenen Kopf
des Amphiaraos übersehen. Nicht besser sieht es mit der Autorität der Urncn-
zeichnung aus, die auf Gori zurückgeht. Auf einer andern Urne mit- derselben
Darstellung im Museum zu Yolterra (u. 508', von weicher ich eine Beschreibung
besitze, ist Amphiaraos in der That bärtig; feider feilten mir Aufzeichnungen
über die drei übrigen ebendaselbst betfodltchAn Bepliken.
2 Vgl. die Zeugnisse bei Michaelis, Parthenon S. 324 n, 82-87,
F Dass diese Notiz nicht ganz genau ist, zeigen übrigens die Inschriften C. J;
Gr. 2758 (aus Aphrodisias in Karien) und 5807 (aus Neapel).

Mirm. n. ARGu.iKsr. m.
loading ...