Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 3
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

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ist in richtig verstandener organischer Verbindung mit dem
Unterkiefer gebildet.

Der Unterschied in den einzelnen Formen ist nicht gerin-
ger: man vergleiche nur die lidlosen, etwas schräg gestellten
Augen mit dem fast noch geraden unteren Rande einerseits
und die normal gestellten und geformten, mit ganz übertrie-
benen Lidern versehenen Augen des Harmodios, man halte
die eigentümlichen, harten und tiefen, eckigen Mundwinkel
des Frauenkopfes gegen die leidlich natürliche Bildung des
halbgeöffneten Mundes beim Harmodios. Am stärksten aber
unterscheiden sich die flachen, ganz roh missverstandenen
Ohren hier von den entwickelten, gut gebildeten dort.

Wie ein dem Harmodioskopfe verwandter Frauenkopf etwa
auszusehen habe, hat Kekule vor Jahren gezeigt (Aiincdi
1874 S. 39), und in der That ist der Kopf in Villa Ludovisi,
welcherm den Monumenti X Taf. 1 abgebildet ist, geeignet, die
Kluft zwischen dem Antenorkopfe und dem Harmodios deut-
lich zu machen. Der Vergleich der Körper giebt kein günsti-
geres Resultat: die der beiden Tyrannenmörder sind vortreff-
lich in Anlage und Durchbildung, während die Figur des
Antenor in nichts sich über die Masse der übrigen Akropolis-
figuren, deren Körperbildung Winter in diesen Mittheilungen
XIII S. 128 treffend schildert, erhebt. Ich glaube, schon diese
Vergleichung lässt die Möglichkeit, dass etwa derselbe Künst-
ler in seiner Jugend die weibliche Figur, in seinem Alter die
Tyrannenmördergruppe machte, als eine recht unwahrschein-
liche erkennen, sie wird es noch mehr, wenn wir jedes Werk
für sich betrachten, und den kunstgeschichtlichen Zusammen-
hang zu bestimmen suchen, in den es gehört.

Die Figur des Antenor gehört der im wesentlichen ein-
heitlichen Gruppe von archaischen Frauengestalten an, wie sie
die Ausgrabungen auf der Akropolis in so überraschend gros-
ser Zahl geliefert haben1.

1 Ygl. Studniczka a. a. 0. S. 137 uncl 147. Auf die Übereinstimmung der
Ornamente hat noch Winter (Athen. Mittheilungen XIII S. 132 Anm. 3)
besonders hingewiesen.
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