Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 10
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.4
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.5
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0020
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0020
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
10

DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

Delischen Nike an, ist nämlich das Diadem vorne breit und
wird nach hinten schmal, ferner liest seine Unterkante nicht
in einer Ebene sondern schmiegt sich der Kopfform so an,
dass es vorne ganz hoch über der Stirn sitzt, um der raffinir-
ten Frisur Raum zu ihrer Entfaltung zu gehen, dann bei den
Ohren oft einen ganz starken Knick macht, und hinten in ei-
nem ganz schmalen Stück sich fortsetzt; letzteres verschwin-
det sogar oft unter dem Haar. Ein charakteristisches Beispiel
für die Form ist Musees d’Athenes Taf. IV. ln dem Fall,
wo das Diadem hinten unter dem Haar verschwindet, wird
man es sich wohl als einen nicht vollen Metallreifen denken,
dessen beide Enden durch ein Band unterhalb des Haares ver-
bunden waren. Ein Beispiel für diese Form ist leider nicht
publicirt, sie findet sich an dem Kopf aus Delos im Atheni-
schen Nationalmuseum (Kavvadias Nr. 23) und einem aus
Eleusis ebenda (Nr. 24) und vier Köpfen auf der Akropolis.
Dem gegenüber ist nun das Attische Diadem ein in gleicher
Breite rings um den Kopf laufender Aufsatz, der meist fast
horizontal oben auf dem Kopfe sitzt. Die Beispiele hat Stud-
niczka Röm. Mittheil. 111 S. 286 zusammengestellt, sie sind
noch um die oben erwähnte Sphinx, deren Kopfschmuck mit
einem Mäander verziert ist, zu vermehren. Man bemerke übri-
gens, wie hei unserem Kopfe bereits eine kleine Concession an
die über der Stirn sich entfalten sollende Haarpracht gemacht
ist, indem dort das Diadem sich ein klein wenig hebt. Nach
dein Ausgeführten kann es wohl keinem Zweifel mehr unterlie-
gen, dass der Künstler dieses Werkes noch durchaus in den
Traditionen der altattischen Kunst lebt U Und dasselbe müssen
wir, wenn auch in geringerem Grade , für Antenor aner-
kennen* 2. So ist es wohl nun keine Spitzfindigkeit, wenn

■* Entwickelter und feiner aber doch unserem Kopfe recht nahe stehend
hinsichtlich der Kopfform, der Augen und des Mundes, erscheint mir der
Sammlung Sabouroff Taf. III. IV abgebildete bärtige Kopf; auch er ist von
Furtwängler in der Einleitung S. 5 f. zu der Sippe des Kalbträgers gestellt
worden.

2 Eine ähnliche Empfindung hat Sophulis gehabt, wenn er im Texte zu
loading ...