Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 12
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

gezogene Münze von Syrakus weist nach Sicilien (Vgl. Head
Coinage of Syracuse I; ich habe nur Head Historia Num-
morum S. 151, 94 und Gardner Types II 29 einsehen kön-
nen). Andererseits wird man eine gewisse allgemeine Ver-
wandtschaft mit den Olympischen Skulpturen nicht verkennen1;
sie zeigt sich in der ganzen Anlage des Kopfes und des breiten
Gesichtes, in der Vorliebe für die niedrige Stirn und in den
gross geöffneten Augen mit den dicken Lidern. Besonders nahe
steht der Harmodios in der oberen Gesichtspartie dem gebisse-
nen Lapithen aus dem Westgiebel (Ausgr. II Taf. 15) und
eine schon fast persönliche Aehnlicbkeit verbindet ihn mit dem
Kladeos aus dem Ostgiebel (Ausgr. IV Taf. 6-8), die nament-
lich in der Seitenansicht ausser in dem Gesammtverhältniss
der Gesichtsteile im Einzelnen an Kinn Mund und Nase stark
hervortritt. Auch eine kleine Eigentümlichkeit in der Bil-
dung der Schamhaare, welche die Olympischen Skulpturen
zeigen, und die sich bereits bei den Aegineten findet, haben
die Tyrannenmörder. Es sind nämlich hier wie dort die
Schamhaare in eine obere horizontal sich erstreckende bei-
derseits in eine Spitze auslaufende Partie zerlegt und eine un-
tere, welche einen ringförmigen Wulst bildet, in dessen Mitte
das Glied sitzt. Genaueres Eingehen auf die Körperbildung,
die mir grosse Verwandtschaften aufzuweisen scheint, muss ich
mir bei dem Mangel an Abgüssen und guten Photographien
versagen.

Dagegen kommt für das Bewegungsmotiv der Tyrannen-
mörder noch eine Beobachtung hinzu, welche Herr Profes-
sor Ivekule die Güte hatte, mir mitzuteilen. Stellt man die
beiden Beilschwinger des Westgiebels (K’ und M’ nach der
neuesten Aufstellung von Treu Jahrbuch III Taf. 5-6) ne-
beneinander, so ergiebt sich eine in allem wesentlichen mit
den Tyrannenmördern übereinstimmende Gruppe. Freilich be-

] Dieselbe scheint auch Flasch Arch. Ztg. 1878 S. 121 Anm. 1 zu en>
p finden.
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