Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 31
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

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Yom strengen Stil zum freien oder sogenannten ‘ schönen ’ zu
bezeichnen pflegt, und fällt somit nach Massgabe der oben an-
gedeuteten Ausgrabungsbeobachtungen auch zeitlich mit dem
Höhepunkt jenes eigentümlichen Stiles in der Plastik zusam-
men. Dass sich derselbe Stil auch in den Terracotten nach-
weisen lässt, kann hier nur einfach ausgesprochen werden,
ohne dass, bei dem gänzlichen Mangel an veröffentlichtem Ma-
terial, der Beweis angetreten werden könnte.

Merkwürdiger Weise fehlt es unter den Attischen Grabreliefs
vollständig an Beispielen für die betrachtete Kunst weise, auch
Alfred Brückner konnte mir kein solches nachweisen. Diese
Thatsache verlangt ihre Erklärung in einem anderen Zusam-
menhänge, hier musste sie nur erwähnt werden.

Unsere bisherige Betrachtung hat gezeigt, dass eine be-
stimmte Kunstweise, welche sich am einfachsten durch jenes
Merkmal des Olympischen Masses zusammenfassen lässt, in
einem abzugrenzenden Zeitraum in Athen in Uebung war.
Daran knüpfen sich zwei Fragen: Erstens, haben wir diese
Kunst als Attisch, d. h. als in Attika ohne fremden Einfluss
entstanden zu denken, und, wenn nicht, woher stammt sie?
Zweitens, welche Rolle in der Entwickelung der Attischen
Kunst hat sie gespielt? Die Beantwortung der ersten Frage
würde nicht mehr und nicht weniger als die Untersuchung
über die Herkunft der Sicilischen und Olympischen Skulptu-
ren, die ganze Pasitelesfrage und noch einiges andere erfordern;
sie fällt aus dem Rahmen dieser Arbeit heraus, um so mehr,
als die Hoffnung, dass sie von berufenerer Seite geführt wer-
den wird, noch nicht aufzugeben ist1. Es sei nur die Frage
aufgeworfen, ob die Entstehung in Attika für eine Kunst wahr-
scheinlich ist, welche daselbst nur eine zeitlich begrenzte und
nicht allgemeine Herrschaft ausübt, und deren einzelne Ver-
treter sich mehr wie die versprengten Glieder mehrerer Fa-
milien desselben Geschlechtes als wie die Nachkommen dessel-
ben Stammes ausnehmen, während dieselbe oder eine ähn-

1 Vgl. Rom. Mitth. II 8. 53 und Athen. Mitth. XII S. 374.
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