Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 33
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

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dergabc versuchte. Nun brauchte in die so befreite, fast zu
herbe und unfreundliche Natur nur die ganze Charis Athens
gegossen zu werden, und das Wunder der Attischen Kunst
war da. Und es lassen sich in der That auch positive Anhalts-
punkte für eine solche Auffassung finden: als solche dürfte
man wohl Werke, welche sich gleichsam als mitten zwischen
einer und der anderen Kunstweise stehend heraussteilen, auf-
fassen. Es hat nun Winter im Jahrbuch des Instituts II S.
216 ff. versucht, auf Grund der Vergleichung der beiden von
ihm auf Taf. 13 und 14 veröffentlichten Köpfe untereinander
und des letzteren, des Kopfes vom Weihgeschenk des Euthy-
dikos1 mit der Peitho (Winter bezeichnet sie aus Versehen
als Aphrodite a. a. 0. S. 223) des Ostfrieses vom Parthenon
eine Entwickelung in gerader Linie aufgestellt, in welcher für
fremde Einflüsse wenig oder gar kein Platz mehr übrig bleibt.
Er will aber diese Entwickelung nicht verallgemeinern, im
Gegenteil, er führt selbst den Apollo aus dem Theater als ein
Werk an, welches fremde Einflüsse zeige; und in der That
scheint mir dieses Werk besonders geeignet, den Uebergang
aus der ‘ Peloponnesischen ’ in die spätere Attische Weise dar-
zustellen. Ein anderer Vertreter eines solchen Uebergangssti-
les ist das Athen. Mitth. VI Taf. 7 leider recht unzureichend
abgebildete Athenaköpfchen. Furtwängler (S. 187 ff.) rückt es
nahe an Phidias heran, und das gewiss mit Recht, steht es
doch im Profil der Peitho vom Parthenonfriese recht nahe,
aber es bewahrt auch sehr deutliche Erinnerungen des Pelo-
ponnesischen Stiles; dahin rechne ich das immerhin noch
recht kräftig gebildete Kinn, den leise geöffneten durchaus
nicht freundlichen Mund mit den vortretenden Lippen, na-

Dass jenes Oberteil und das Unterteil, an welchem sich die Basis mit
der Weihinschrift des Euthydikos befindet, zu derselben Statue gehören, ist
eine Vermutung Winters, für deren Richtigkeit es bisher leider an einem
äusseren Zeugniss fehlte ; als solches lässt sich betrachten, dass jetzt das Ober-
teil um den im Bruch genau anpassenden linken Arm vervollständigt ist,
denn diesen Arm habe ich unter den übrigen Fragmenten lediglich durch
seine Ähnlichkeit mit jenen Füssen herausgefunden.

ATHEN. MITTHEILUNUEN XV.

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